Verkehr ohne Schilder

Wenn es zu laut, zu schnell, zu hektisch zugeht auf der Straße, sorgen Behörden mit Schildern für Ordnung. Ein niederländischer Verkehrsplaner erreicht mit dem Gegenteil bessere Ergebnisse: Ohne Regeln wird der Verkehr sicherer.

heute gefunden bei der Zeit.
Das Konzept klingt spannend. Statt den FahrerInnen (LKW, PKW, Fahrrad, Fußgänger usw.) Regeln aufzuerlegen in Form von Schildern, wird bewußt darauf verzichtet. Mit der Folge daß die Beteiligten sich untereinander verständigen müssen und dies auch erfolgreich, d.h. mit weniger Unfällen, tun. Statt KonsumentInnen der Straße und ihrer Regeln, werden sie zu aktiven MitgestalterInnen der direkten Verkehrssituation.

Qualitätsunterschiede

Zwar ist sicherlich allen bekannt, dass es gute und schlechte Artikel gibt. Und bislang war ich mit den Berichten von Spiegel online eigentlich gut zufrieden. Der Bericht des Spiegel vom 17.10.2005 über das “Jugendheim in der Feuerbergstraße (Hamburg)” ist allerdings unter aller Sau. Er ist wenig informativ, setzt detailliertes Vorwissen voraus und enthält sich einer Wertung, die dringend notwendig wäre…
Das positive Gegenteil ist ein Artikel der jungen Welt vom 13.10.2005, der die Vorkommnisse ausführlich beschreibt, bewertet und die Hintergründe beleuchtet. Aus dem Artikel der jungen Welt:

Aus Akten geht hervor, daß Gespräche der Insassen mit ihren Rechtsanwälten sowie die ein- und ausgehende Post kontrolliert wurden. Das sind Rechtsverstöße, die selbst in Gefängnissen nicht stattfinden dürfen.

Immer bedrohlicher stieg so das Gewaltpotential in der Einrichtung, was sich in zahlreichen Schlägereien, aber auch Selbstverstümmelungen und Suizidversuchen der Kinder ausdrückte. In ihrer Hilflosigkeit gingen pädagogische Mitarbeiter dazu über, diese mit Psychopharmaka ruhigzustellen, ohne Ärzte oder Eltern zu konsultieren. Überdosierungen waren die Folge.
Aufgrund der katastrophalen Zustände verweigerten Familienrichter zunehmend Einweisungsanträge in das Jugendheim.
[…] die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und Freiheitsberaubung im Amt aufgenommen.

1.142.600 Arme in Niedersachsen

Das sind 14,5% der Menschen in Niedersachsen, die unter der Armutsgrenze (weniger als 50% des Durchschnittseinkommens) leben.
Und in Osnabrück, dem Landkreis Osnabrück, dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, Diepholz, Cloppenburg und Vechta sind es geschätzte 2.400 Menschen, die kein Obdach haben.
Quelle: Abseits?!blog und auch: Evangelischer Pressedienst (mittlerweile beide offline)

Ach ja, die Bundesgartenschau 2015 in Osnabrück soll übrigens über 185 Millionen Euro kosten. Jedenfalls wenn 2 Millionen BesucherInnen kommen und wenn während der Bauzeit von 2010 bis 2015 die Preise sich nicht verändern… Quelle: Stadt Osnabrück

Bildung braucht Geld

Einmal brauchen die Institutionen Kohle für ihre Bildungsangebote und andererseits brauchen die “KundInnen” jetzt wieder mal Kohle. So hat Niedersachsen nun die Einführung von Studiengebühren beschlossen.
In voller Übereinstimmung mit der berühmten PISA-Studie, die ja herausgefunden hat, dass Bildung vom Bankkonto abhängt…

In meiner Schule (einer Berufsbildenden Schule) ziehen sie den SchülerInnen auf andere Weise die Kohle aus der Tasche: Über die Ausleihe von Schulbüchern.

Selig sind die geistig Armen

Und seit dem letzten Sonntag, dem 09. Oktober 2005, auch Kardinal Clemens August von Galen. Der so genannte “Löwe vom Münster” wurde wegen seines (angeblichen) Widerstands in der NS-Zeit selig gesprochen. In seinem Hirtenbrief -blöckt Ihr Schafe da draußen!- vom 14. September 1941 sprach er sich gegen die Tötung von Geisteskranken (Quelle: Der Spiegel, 17.11. 2003, nach jungeWelt, 07.10.05) aus.
Sicherlich ist es richtig und nobel sich gegen die Ermordung von sogenannten Geisteskranken auszusprechen. Ihn allerdings dann als Heiligen – Verzeihung Seligen zu titulieren, ist Hohn, wenn man den Rest des Briefes betrachtet. Dort nämlich spricht er sich für den Überfall auf die Sowjetunion aus, lobt den Angriff als

“Befreiung von einer ernsten Sorge und eine Erlösung von schwerem Druck” […]
Galen zitiert in diesem Zusammenhang zustimmend Hitlers Wort von der ›jüdisch-bolschewistischen Machtherrschaft‹ in Moskau. (ebd.)

Von Galen ist ein Befürworter des Angriffskrieges und auch ein Antisemit gewesen. Überdachte er vielleicht seine Einstellungen?

Recht auf Leben

Jede und jeder hat ein Recht auf Leben. Ein Leben ohne Krieg, mit Demokratie und in wirtschaftlicher Sicherheit. Seit Jahren (und seit einigen Tagen auch groß in den Medien) versuchen das einige durchzusetzen…

Kinder sind anstrengend

Jedenfalls für ErzieherInnen, wie die Unfallkasse Sachsen-Anhalt in einer Studie [.pdf] nachweisst.

Erzieherinnen und Erziehern sind erheblichen Belastungen durch Lärm, ungünstige Körperhaltungen beim Spielen mit den Kindern, Zeitdruck und Betreuung zu großer Gruppen ausgesetzt. Psychosomatische Beschwerden, Befindungsstörungen wie Arbeitsunzufriedenheit und Depressivität oder sogar das Burnout-Syndrom können die Folge sein.

Quelle: Bundesverband der Unfallkassen

Stacheldraht gegen Flüchtlinge

Seit Ende August erlebten die beiden spanischen Afrika-Exklaven Ceuta und Melilla bereits zehn Massenfluchtversuche von marokkanischem Boden aus. Von mehr als 2150 Flüchtlingen schafften es etwa 715 über die Grenze und damit in die EU, wo sich viele ein besseres Leben erhoffen. Dafür nehmen sie schwere Verletzungen und sogar den Tod in Kauf: Bei einem Ansturm am 29. September auf Ceuta kamen fünf Flüchtlinge ums Leben. Alle wiesen Schußwunden auf.
Für diejenigen, die es geschafft haben, gibt es in Spanien in den meisten Fällen dann wider Erwarten keine Arbeitserlaubnis.

Quelle: jungeWelt, 05.10.2005

Bundestagswahl 05 – Ein Blick auf die absoluten Werte

Nachdem nun auch in Dresden gewählt wurde, liegt das vorläufige amtliche Endergebnis des Bundeswahlleiters vor.

Ein Vergleich in absoluten Zahlen mit den letzten Bundestagswahlen 2002. Auch dabei ist ein kleiner, unvollständiger Überblick über das extrem rechte Lager.

Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.

“Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die
allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass
ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.”

schrieb Adorno in dem Artikel “Erziehung nach Auschwitz“. Dieser Artikel und gerade der erste Satz ist sicherlich einer der bekanntesten bzw. am häufigstenzitierten von Adorno.
Hier noch drei weitere Zitate aus dem Artikel, die ich für lesenswert halte:

“Die einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz wäre
Autonomie, wenn ich den Kantischen Ausdruck verwenden darf; die Kraft
zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen.”

“Erziehung müsste Ernst machen mit einem Gedanken, der der
Philosophie keineswegs fremd ist: dass man die Angst nicht verdrängen
soll. Wenn Angst nicht verdrängt wird, wenn man sich gestattet, real so
viel Angst zu haben, wie diese Realität Angst verdient, dann wird
gerade dadurch doch manches von dem zerstörerischen Effekt der
unbewussten und verschobenen Angst verschwinden.”

“Ich fürchte, durch Maßnahmen auch einer noch so weit gespannten
Erziehung wird es sich kaum verhindern lassen, dass Schreibtischmörder
nachwachsen. Aber dass es Menschen gibt, die unten, eben als Knechte
das tun, wodurch sie ihre eigene Knechtschaft verewigen und sich selbst
entwürdigen; dass es weiter Bogers und Kaduks gebe, dagegen lässt sich
doch durch Erziehung und Aufklärung ein Weniges unternehmen.”

Der Artikel von Adorno ist zwar sicherlich interessant, aber ich für meinen Teil finde ihn schwierig zu lesen und auch etwas zu “unpraktisch”, zu philosophisch. Aber das sei jedem selber überlassen.