Kindeswohlgefährdungen in Deutschland in 2012

Braucht noch jemand das ein oder andere Argument, dass der soziale Sektor ausgebaut werden muss? Das Jugendhilfeportal zeigt gerade einige Zahlen zur Kindeswohlgefährdung in Deutschland:

Von allen Verfahren bewerteten die Jugendämter 17 000 (16 %) eindeutig als Kindeswohlgefährdungen („akute Kindeswohlgefährdung“). Bei 21 000 Verfahren (20 %) konnte eine Gefährdung des Kindes nicht ausgeschlossen werden („latente Kindeswohlgefährdung“). In 68 000 Fällen (64 %) kamen die Fachkräfte zu dem Ergebnis, dass keine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Jedoch wurde in jedem zweiten dieser Verfahren ein Hilfe- oder Unterstützungsbedarf durch das Jugendamt festgestellt.

Und nur um es noch einmal deutlich zu sagen: Das sind die Zahlen eines Jahres (nämlich 2012).

Den Stein(er) ins Rollen bringen

Unter dem Titel Hat er abgeschrieben? veröffentlichte die Süddeutsche einen lesenswerten Artikel über Rudolf Steiner. Helmut Zander, Privatdozent für Neuere und Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin (nach Verlagsinfo), hat unter dem Titel Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945 die Anthroposophie und ihren Urheber einmal genauer unter die Lupe genommen.

Die Süddeutsche schreibt über das Werk:

[E]in monumentales Werk, in dem zum ersten Mal die Geschichte der anthroposophischen Bewegung in Deutschland wissenschaftlich nachgezeichnet und die Schriften Steiners historisch-kritisch beleuchtet werden. Kaum zu glauben: Nie zuvor hat sich jemand die Mühe gemacht, Steiners Gesamtwerk intertextuell zu verorten.

Das Werk bietet so anscheinend erstmalig eine gute Möglichkeit Steiner von seinem mystischen Thron zu holen, der ihm von vielen Waldorf-Gläubigen zugeschrieben wird. Und auf den er sich auch selber setzte:

Und als er [Rudolf Steiner, Anm. M.P.] einem Reformpädagogen bei einer Führung durch die Schule auch den Eurythmieunterricht zeigte und dieser fragte, woher Steiner wisse, “dass diese festgelegten Bewegungen den Urbewegungen der Laute entsprachen”, erhielt er “die bezeichnende Antwort: ‘Das ist so.’ ” (nach der Süddeutschen)

Helmut Zander gab dem Deutschlandradio Kultur auch ein gutes Interview, in dem er noch einmal erklärt, was sich hinter Steiners Ideen verbirgt. Und warum die Kritik an ihnen nötig ist.

Links zu Judith Rich Harris – Das Elternhaus ist unwichtig

Bislang, so Judith Rich Harris, hätten es die Forscher nicht geschafft, genau zu bestimmen, welche Aspekte der Umwelt wichtig seien. Herausgefunden habe man nur, was nicht wichtig sei – genau das, worüber sich Eltern im Gespräch mit anderen so gerne wichtig machen: Wie gut es für das Kind ist, wenn sich die Eltern verstehen und nicht ständig streiten, dass Mutter und Vater zusammen bleiben, wie schwer es Trennungskinder und Kinder von Alleinerziehenden haben. Wie gut es für den späteren Erfolg ist, wenn man das Kind in der Entwicklung etwas anschiebt oder es möglichst frei gewähren lässt, damit es seine Interessen selbst entdecken kann. Ob es besser ist, auf einem Bauernhof aufzuwachsen oder in einer Stadtwohnung, mit vielen Büchern und Bildern, mit viel Spielzeug oder doch etwas spärlich, um es nicht mit Reizen zu überstrapazieren, usw.

So fasst ein Telepolis-Artikel ihre Aussagen zusammen. Ich persönlich finde das ja vollkommenen Quatsch.

Hier einige (deutschsprachige) Links dazu:

Bernhard Bueb – Ein Interview zum Lob der Disziplin

Das Amadelio Vlog hat im November letzten Jahres ein interessantes Video-Interview mit Bernhard Bueb veröffentlicht. Ein interessantes Interview, auch wenn man nicht alleine Buebs Meinung hören sollte.
Zur konstruktiven Auseinandersetzung sind sicherlich die taz (Der Wind aus der Vergangenheit) und Die Zeit (Erwachsen werden…) lesenswert.

So liebe Schüler, jetzt machen wir alle mal das Handy an …

Heise online meldete heute, dass die Medienwissenschaftlerin Iren Schulz eine schulische Auseinandersetzung mit dem Handy fordere. Dies soll die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen fördern .

Es ist absolut notwendig, dass Kinder und Jugendliche den Umgang mit dem Mobiltelefon lernen. Auch der Umgang dem Computer und später dem Internet muss erlernt werden. Ein großer Teil des späteren (Berufs-) Lebens wird durch Computer und andere Medien mitgestaltet. Schulische und berufliche Ausbildung ohne die Unterstützung der sog. Neuen Medien sind mittlerweile undenkbar.

Verständlicherweise, denn diese Medien bergen ein hohes Potential: Die verschiedenen Formen der Kommunikation, des Wissenserwerbes und der Meinungsbildung brauche ich sicherlich nicht aufzuführen. Mit unterschiedlichster Zielsetzung geplant und umgesetzt oder auch mehr oder weniger passiv konsumiert …

Mir stellt sich bloß noch die Frage, wann und auch durch wen dies denn alles vermittelt werden soll? Dass die Größe der Schulklassen nicht optimal ist und sogar außer bei den Grundschulen in den allgemein bildenden Schulen steigt, ist relativ bekannt. Die schlechten Ergebnisse der PISA-Studien kann man sicherlich auch als bekannt voraussetzen. Tja und dann soll die Schule zudem noch weitere Medienkompetenz vermitteln?

Viele Eltern betrachteten das Mobiltelefon für ihre Kinder in erster Linie als Notfall-Medium. Die zweite Sorge gelte der Rechnung. ‘Was sonst damit passiert, ist ihnen egal.’

zitiert Heise online die Medienwissenschaftlerin. Ist nun die Schule der einzig mögliche Ansatzpunkt? Die staatliche Institution, die alle Probleme der Bildung Jugendlicher lösen kann und muss?

Erziehen ohne zu Schlagen – Teil 2

Schrieb ich doch gerade heute, daß eine gewaltlose Erziehung in Mode gekommen ist, muss ich mich nun korregieren.

Der Einsatz körperlicher Erziehungsmittel ist immer noch verbreitet: 44 % der Mütter und 41 % der Väter haben ihren Kinder schon einen Klaps gegeben, 14 % der Mütter und 13 % der Väter schon eine Ohrfeige, 3 % der Mütter und 5 % der Väter haben nach eigenen Angaben ihre Kinder schon kräftig geschlagen oder verprügelt.

schreibt das Deutsche Jugendinstitut in seinem DJI BULLETIN Nr. 71 vom Sommer 2005.

Erziehen ohne zu Schlagen

Kleine Aspekte eines Fortschritts der Menschheit sind auch in diesem Gesellschaftssystem zu bemerken. Gingen die 68iger noch auf die Straße, um gegen den “Muff von tausend Jahren” zu protestieren, entstanden in der Zeit auch verschiedene pädagogische Konzepte, so durfte die Bundesregierung jetzt vermelden, daß das Recht der Kinder auf eine Erziehung ohne Gewalt sich durch zu setzen scheint. Vor fünf Jahren wurde sie im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert und nun scheint sich ein Großteil der Erziehenden daran zu orientieren.
Nun bleibt noch die Aufgabe, diesen Jugendlichen eine Schulausbildung und auch eine Lebensperspektive zu bieten…