Suchmaschinenoptimierung und Journalismus – Ein herzliches Willkommen für den Chef von Sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs, in der freien Marktwirtschaft

Hans-Jürgen Jakobs ist der Chefredakteur der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Spannender sind seine Äußerungen zu Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Journalismus, die aktuell auf horizont.net dargestellt werden. Dort beklagt er, dass eine ausufernde, vielleicht sogar unseriöse Suchmaschinenoptimierung eine Wettbewerbsverzerrung im journalistischen Bereich bedeutete. Und fordert daraufhin eine Konvention über statthafte und unstatthafte Maßnahmen in der Suchmaschinenoptimierung von journalistischen Inhalten.

Wie die DPA arbeitet

Ich muss zugeben, dass ich es nicht mitbekommen habe. Aber seit Samstag tummelte sich tagelang eine Falschmeldung über eine Rede auf einer G8-Demonstration in zahlreichen Nachrichten.

Stefan Niggemeier erläutert die Geschichte dieser Falschmeldung, dass auf von einem Redner zur Gewalt aufgerufen wurde.

Viel spannender fand ich allerdings den Bericht von Christiane Link in ihrem Blog “Behindertenparkplatz”. Sie hatte für die dpa gearbeitet und beschreibt einmal, wie Meldungen überhaupt zustande kommen.

Zweimal weiterlesen

1. Die NYTimes hat herausgefunden, dass Menschen länger leben, wenn sie länger zur Schule gehen.
Lesen bei Telepolis: Wer länger zur Schule geht, lebt länger

2. Rudolf Stumberger lässt sich in einem weiteren Telepolis-Artikel über den Bürgerjournalismus aus. Absolut lesenswert!
Lesen bei Telepolis: Die neue Zerhackstückelung der Welt. Der Bürger-Journalismus als Farce der Partizipation

Ich wurde unter Druck gesetzt, die folgenden Zeilen zu schreiben

Deutschland hat es geschafft!

Über das zehnfache der Punkte, die Finnland erreicht hat.

Aber auf dem Siegertreppchen stehen wiedermal andere. Bronze geht Eritrea, Silber an Turkmenistan und Gold geht an Nordkorea. Sagen die Reporter ohne Grenzen in ihrer fünften Rangliste zur Lage der Pressefreiheit weltweit.

Das Wetter, der Mars und die journalistische Sorgfaltspflicht

Jaja, die Bildzeitung. Kritik an ihr gibt es ja zuhauf. Was da allerdings in der letzten Woche auf der Titelseite stand, war echt unglaublich. “Macht es der Mars so heiß?” war die unglaubliche Schlagzeile. Mein erste Gedanke, neben der typisch männlichen Suche nach den halbnackten Frauen auf der ersten Seite, war natürlich: unglaublich. Dann setzte wieder das kritische Denken ein. Und wahrhaftig – es werden drei Wissenschaftler zitiert, die die These unterstützen, obwohl sie bislang nicht bewiesen ist. Mein bisheriges Weltbild, mein rudimentäres Verständnis der Meteorologie ist erschüttert. Zwar ging dieses Verständis über “Mond=Ebbe+Flut” und “Sonne=Licht+Wärme” nicht hinaus, aber ich bin trotzdem verunsichert.

Die Erleichterung kommt erst Tage später, als ich durch Zufall wiedermal das bekannteste deutsche Blog, das BILDblog, ansurfe. “‘Bild’ benutzt echte Forscher für falsche Story” ist die Überschrift. Das BILDblog hat einfach mal bei den drei zitierten Wissenschaftlern angefragt, ob sie von der Bild richtig zitiert worden sind. Jetzt ratet mal, was die drei gesagt haben. Einer hatte zwar mit der Bild über das Marswetter gesprochen, war aber nach den Auswirkungen auf das Erdwetter nicht gefragt worden. Vielleicht hatte die Bild diesen als Letzten angerufen, denn die beiden anderen wurden von der Bildzeitung gefragt nach den Auswirkungen des Mars auf das Erdwetter. Sie verneinten jeweils die Frage der Bild.

Wenn ich der Bild nun vorwerfe, ihre journalistische Sorgfaltspflicht nicht erfüllt zu haben, ist dies wohl etwas untertrieben. Die Bild hat bewußt gelogen! Aber keine Angst, die Bild wird seriös: “Das Psycho-Schlecko-Gramm: Was Ihr Lieblingseis über Sie verrät (leider mittlerweile offline)“. Zitrone – aber ich trau mich nicht nachzuschauen…

Qualitätsunterschiede

Zwar ist sicherlich allen bekannt, dass es gute und schlechte Artikel gibt. Und bislang war ich mit den Berichten von Spiegel online eigentlich gut zufrieden. Der Bericht des Spiegel vom 17.10.2005 über das “Jugendheim in der Feuerbergstraße (Hamburg)” ist allerdings unter aller Sau. Er ist wenig informativ, setzt detailliertes Vorwissen voraus und enthält sich einer Wertung, die dringend notwendig wäre…
Das positive Gegenteil ist ein Artikel der jungen Welt vom 13.10.2005, der die Vorkommnisse ausführlich beschreibt, bewertet und die Hintergründe beleuchtet. Aus dem Artikel der jungen Welt:

Aus Akten geht hervor, daß Gespräche der Insassen mit ihren Rechtsanwälten sowie die ein- und ausgehende Post kontrolliert wurden. Das sind Rechtsverstöße, die selbst in Gefängnissen nicht stattfinden dürfen.

Immer bedrohlicher stieg so das Gewaltpotential in der Einrichtung, was sich in zahlreichen Schlägereien, aber auch Selbstverstümmelungen und Suizidversuchen der Kinder ausdrückte. In ihrer Hilflosigkeit gingen pädagogische Mitarbeiter dazu über, diese mit Psychopharmaka ruhigzustellen, ohne Ärzte oder Eltern zu konsultieren. Überdosierungen waren die Folge.
Aufgrund der katastrophalen Zustände verweigerten Familienrichter zunehmend Einweisungsanträge in das Jugendheim.
[…] die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und Freiheitsberaubung im Amt aufgenommen.