Zehn Nächte für eine Lebensperspektive

Jugendliche ohne Hoffnung, unbändigen Wut, meist aus muslimischen Einwandererfamilien aus Nord- und Schwarzafrika, keine Chance in Frankreichs Gesellschaft aufgenommen zu werden, 1295 Autos in Brand gesteckt in der letzten Nacht, außerdem ein Kindergarten, eine Mc-Donalds-Filiale, ein Einkaufszentrum, zwei Schulen, ein Postgebäude, Sachschaden bis Sonntag sieben Millionen Euro, 349 Leute festgenommen, Hubschrauber mit Videokameras, vielerorts abends der Busverkehr eingestellt, Ghettos, in denen Arme, Arbeitslose und Ausgeschlossene ein trübes Dasein fristen, der nationale Sicherheitsrat einberufen, Schweigemarsch gegen die Gewalt von 500 Einwohnern in Aulnay-sous-Bois (Pariser Vorstadt), Innenminister nennt Jugendliche aus Trabantenstädten “Gesindel”

Erziehen ohne zu Schlagen – Teil 2

Schrieb ich doch gerade heute, daß eine gewaltlose Erziehung in Mode gekommen ist, muss ich mich nun korregieren.

Der Einsatz körperlicher Erziehungsmittel ist immer noch verbreitet: 44 % der Mütter und 41 % der Väter haben ihren Kinder schon einen Klaps gegeben, 14 % der Mütter und 13 % der Väter schon eine Ohrfeige, 3 % der Mütter und 5 % der Väter haben nach eigenen Angaben ihre Kinder schon kräftig geschlagen oder verprügelt.

schreibt das Deutsche Jugendinstitut in seinem DJI BULLETIN Nr. 71 vom Sommer 2005.

Erziehen ohne zu Schlagen

Kleine Aspekte eines Fortschritts der Menschheit sind auch in diesem Gesellschaftssystem zu bemerken. Gingen die 68iger noch auf die Straße, um gegen den “Muff von tausend Jahren” zu protestieren, entstanden in der Zeit auch verschiedene pädagogische Konzepte, so durfte die Bundesregierung jetzt vermelden, daß das Recht der Kinder auf eine Erziehung ohne Gewalt sich durch zu setzen scheint. Vor fünf Jahren wurde sie im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert und nun scheint sich ein Großteil der Erziehenden daran zu orientieren.
Nun bleibt noch die Aufgabe, diesen Jugendlichen eine Schulausbildung und auch eine Lebensperspektive zu bieten…

witch-hunt

Mit Hexenbesen und Elefantenrüssel werden Kinder seit 1977 politisch indoktriniert. Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg heißen die Untäter, mithilfe derer Elfie Donnelly der jungen Generation deutlich macht, daß sich die ‘richtigen’ politischen Positionen grundsätzlich ‘links’ der politischen Mitte befinden” (Strohmeier).
Oh, welch Elend…

“Äußerst bedenklich ist […], dass die Medien zusammen mit den Neustädter Bürgern […] grundsätzlich auf der ‘richtigen Seite’ stehen, sich diese Seite stets durchsetzen kann und politische Entscheidungen in der Regel nicht demokratisch getroffen werden.” (Strohmeier)

Qualitätsunterschiede

Zwar ist sicherlich allen bekannt, dass es gute und schlechte Artikel gibt. Und bislang war ich mit den Berichten von Spiegel online eigentlich gut zufrieden. Der Bericht des Spiegel vom 17.10.2005 über das “Jugendheim in der Feuerbergstraße (Hamburg)” ist allerdings unter aller Sau. Er ist wenig informativ, setzt detailliertes Vorwissen voraus und enthält sich einer Wertung, die dringend notwendig wäre…
Das positive Gegenteil ist ein Artikel der jungen Welt vom 13.10.2005, der die Vorkommnisse ausführlich beschreibt, bewertet und die Hintergründe beleuchtet. Aus dem Artikel der jungen Welt:

Aus Akten geht hervor, daß Gespräche der Insassen mit ihren Rechtsanwälten sowie die ein- und ausgehende Post kontrolliert wurden. Das sind Rechtsverstöße, die selbst in Gefängnissen nicht stattfinden dürfen.

Immer bedrohlicher stieg so das Gewaltpotential in der Einrichtung, was sich in zahlreichen Schlägereien, aber auch Selbstverstümmelungen und Suizidversuchen der Kinder ausdrückte. In ihrer Hilflosigkeit gingen pädagogische Mitarbeiter dazu über, diese mit Psychopharmaka ruhigzustellen, ohne Ärzte oder Eltern zu konsultieren. Überdosierungen waren die Folge.
Aufgrund der katastrophalen Zustände verweigerten Familienrichter zunehmend Einweisungsanträge in das Jugendheim.
[…] die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und Freiheitsberaubung im Amt aufgenommen.

Stacheldraht gegen Flüchtlinge

Seit Ende August erlebten die beiden spanischen Afrika-Exklaven Ceuta und Melilla bereits zehn Massenfluchtversuche von marokkanischem Boden aus. Von mehr als 2150 Flüchtlingen schafften es etwa 715 über die Grenze und damit in die EU, wo sich viele ein besseres Leben erhoffen. Dafür nehmen sie schwere Verletzungen und sogar den Tod in Kauf: Bei einem Ansturm am 29. September auf Ceuta kamen fünf Flüchtlinge ums Leben. Alle wiesen Schußwunden auf.
Für diejenigen, die es geschafft haben, gibt es in Spanien in den meisten Fällen dann wider Erwarten keine Arbeitserlaubnis.

Quelle: jungeWelt, 05.10.2005