Erkenntnis im Straßenverkehr

Irgendwie gibt schon schwierige Themen. Schwierig deshalb, weil es mir schwerfällt eindeutige Positionen zu erarbeiten.

Auf der Heimfahrt kamen ich und einige andere Verkehrsteilnehmer in eine sehr unübersichtliche Situation. Man stelle sich eine Kreuzung vor, an der eine relativ stark befahrene Nebenstraße eine stark befahrene Hauptstraße kreuzt. Das ganze zwar in der Nähe, aber trotzdem außerhalb einer geschlossenen Ortschaft.

Siebzig Kmh war auf der Hauptstraße erlaubt. Nun staute sich auf der Hauptstraße allerdings eine Fahrtrichtung wegen einer Baustelle. Es ging sprichwörtlich nichts mehr auf dieser einen Fahrspur.

Mehrere Leute, unter anderem ein alter Mann auf einem noch älteren Moped, kamen von der Nebenstraße auf die Kreuzung zu. Wir alle mussten links abbiegen. Durch die wartenden Autos auf der einen Fahrspur der Hauptstraße war es allerdings nicht möglich, die andere Fahrspur einzusehen.

Von der gegenüberliegenden Nebenstraße kamen ebenfalls Autos, die sowohl links abbiegen als auch geradeaus die Kreuzung überqueren wollten. Eine doch recht schwierige Verkehrssituation, die durch schnell fahrende Autos auf der freien Hauptstraßenspur auch ein nicht unerhebliches Gefahrenpotential bot.

Der alte Mann auf dem Moped gab irgendwann auf. Er winkte ein oder zwei der hinter ihm stehenden Autos durch und heftete sich dann ihre Fersen. Ihm war die Situation offensichtlich zu komplex.

Wenn jemand auch mit so komplizierten und unübersichtlichen Verkehrssituationen nicht klarkommt, darf er dann am Straßenverkehr teilnehmen? Sollte er zu seiner eigenen Sicherheit nicht vielleicht auf den ÖPNV umsteigen? Im Falle eines Unfalles gefährdet er schließlich nicht nur sich selbst, sondern auch andere …

Aber hat er die Situation nicht doch erfolgreich gemeistert? Er hat erkannt, dass ein selbstständiges Lösen nicht möglich war. Und nach dieser Erkenntnis eine denkbar gute Lösungsmöglichkeit gefunden. Vielleicht wäre ein anderer Mopedfahrer, vielleicht ein jugendlicher Draufgänger, einfach über die Kreuzung geprescht. Vielleicht mit – vielleicht ohne Erfolg.

Macht Erfahrung und die Erkenntnis, einer Situation nicht alleine gewachsen zu sein, die mangelnde Übersicht wett?

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Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).

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