Das iPhone 5S und der Fingerabdruck-Scanner (Touch-ID)

Das Internet hat gestern das neue iPhone 5S von Apple gesehen. Und heute hat es der Rest der Welt in wohl jeder Tageszeitung lesen können. Das neue iPhone 5S kann einiges, aber hier soll es erstmal um den integrierten Fingerabdruck-Scanner im Homebutton des neuen iPhone gehen.

Werbevideo: Apple – iPhone 5s – The new Touch ID fingerprint identity sensor


[YouTube Direktlink]

Sicherheit durch den Finger?

Bis zu fünf verschiedene Fingerabdrücke soll das neue iPhone speichern können. Und diese unterschiedlichen Finger oder Finger unterschiedlicher Menschen sollen dann das iPhone entsperren können. Und im Appstore sollen sie auch zur Authentifizierung beim Kauf von Apps dienen. Wahrscheinlich, so vermute ich, wird es auch im iTunes Store beim Kauf von Musik & Filmen funktionieren.
Direkt im Werbevideo (siehe oberhalb) verspricht Apple, dass die Fingerabdrücke nur lokal auf dem iPhone gespeichert werden würden. Und die biometrischen Daten der Finger nicht in die Cloud, also zu Apple übertragen werden. Ob das eine kurzfristige Entscheidung ob der Snwoden-Leaks ist oder eine lang geplante Entscheidung, lädt zu Spekulationen ein. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass es eine lang geplante Entscheidung war. Schließlich hat Apple bislang in keinen anderen Geräten einen Fingerabdrucksensor. Und die iCloud ist auch nicht für ihre Performance berühmt, warum also freiwillig noch mehr Daten dort hinein speichern.

Da das iPhone 5S noch nicht verfügbar ist, es bislang wenige und nur kurze Hands-On-Videos gibt, ist für mich noch unklar, ob die Authentifizierung über den Finger nur eine Option oder ein Muss ist. Wahrscheinlich ist natürlich, dass der Fingerabdruck nur eines von mehreren Sicherheitsfeatures ist. Und eine Authentifizierung über einen PIN-Code oder ein Passwort weiterhin zum Entsperren und Kaufen möglich ist. Und ob diese beiden Möglichkeiten eine Fallback-Möglichkeit sind. Und in den bisherigen Kommentaren zur Touch-ID wird das auch nicht wirklich diskutiert. Dabei halte ich es für wesentlich.

Bundesarchiv, B 145 Bild-F000065-3072 / Arntz, Prof. / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Sicher ist sicher?!

Fingerabdrücke können reproduziert werden. Ende 2005 veröffentlichte der Chaos Computer Club ein entsprechendes Video. Und einige Jahre später übrigens den Fingerabdruck des damaligen deutschen Innenministers Schäuble. Denn wir hinterlassen überall unsere Fingerabdrücke. Auch im neuen Reisepass. Auch bei einer Festnahme oder gar bei manchen Flughafen-Kontrollen. Und natürlich auf Gläsern im Spionage-Thriller sehen kann.

Sicherheit für wen!?

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die eigenen Fingerabdrücke auf irgendeine Art und Weise abgreift, ist wohl recht gering. Im Alltag dürfte es wohl am Ehesten bei einer intensiven Flughafen-Kontrolle der Fall sein. Oder auf einer Demonstration. Ist das Alltag? Für die meisten eher nicht.

Und dann haben wir mit Touch-ID eine bequeme Alltagslösung, um sein Smartphone zu schützen. Aber sie erfüllt sicherlich keine hohen Sicherheitsbedürfnisse. Allerdings ist sie eine bequeme und komfortable Methode, um ein Smartphone vor dem Zugriff von Unbefugten zu schützen. Sicherheit oder Bequemlichkeit ist also mal wieder die Frage. Und die darf jede/r für sich selbst beantworten.

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Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).