Suchmaschinenoptimierung und Journalismus – Ein herzliches Willkommen für den Chef von Sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs, in der freien Marktwirtschaft

Hans-Jürgen Jakobs ist der Chefredakteur der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Spannender sind seine Äußerungen zu Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Journalismus, die aktuell auf horizont.net dargestellt werden. Dort beklagt er, dass eine ausufernde, vielleicht sogar unseriöse Suchmaschinenoptimierung eine Wettbewerbsverzerrung im journalistischen Bereich bedeutete. Und fordert daraufhin eine Konvention über statthafte und unstatthafte Maßnahmen in der Suchmaschinenoptimierung von journalistischen Inhalten.

Wer nun keine Ahnung von Suchmaschinenoptimierung hat, kann sich meine kurze Einführung einmal anschauen. Vereinfacht gesagt bedeutet Suchmaschinenoptimierung, dass eine Internetseite gut in Suchmaschinen platziert ist und von den Suchenden angeklickt wird. Welt Online wird in dem Horizont.net-Artikel als eine gut optimierte Seite angegeben.

Nun ist der Artikel bei Horizont.net nicht gerade ausführlich. Auch die Reaktionen, die ich bislang gefunden habe, stammen alle aus dem Umfeld von Suchmaschinenoptimierern. Diese möchten natürlich ihren Berufsstand verteidigen als ehrliche Arbeit. Internetmarketing News kritisiert die Aussagen als mehr oder weniger weltfremd, wenn doch andere Anbieter auch ihre Produkte verkaufen müssen. Sistrix empfiehlt wie andere, dass die Süddeutsche erstmal ihren eigenen Internetauftritt auf Vordermann bringen soll und mein gott und meine welt macht einen kleinen Vergleich über die Suchmaschinenoptimierung von Welt Online und Sueddeutsche.de. TechDivision, suchmade news und der konsumuffel lästern auch etwas über die mangelnde technische Kompetenz bei Sueddeutsche.de, bleiben aber selbst dabei noch qualitativ über den Aussagen des Spiegel Online Feuilletons, dass den Haupttrick, nämlich einfach die Zeitung ins Netz [zu] stellen, anpreist.
Mehr als ein Lästern (und Nachweisen) mangelnder technischer SEO-Kompetenz und ein Lästern über den Ruf nach Konventionen (oder Regulierungen) ist nicht zu lesen. Wobei Spiegel Online mit seiner Kurzmeldung die eindeutige Talsohle der Berichterstattung touchiert, bei einem der am besten im Internet aufgestellten journalistischen Medien schon etwas verwunderlich.

Wo liegt das wesentliche Problem in der Suchmaschinenoptimierung für journalistische Inhalte?

Die Verquickung der technischen Aspekte mit den für die Suchmaschinenoptimierung wesentlichen Techniken ist m.E. das Hauptproblem. Nun bin ich fürwahr kein Experte in diesem Bereich und gerade in den technischen Gesichtspunkten habe ich weniger Erfahrung als die sicherlich kompetenteren oben verlinkten Schreiber. Aber ein kleines Beispiel: Der Titel einer Webseite (<title>) wird von den großen Suchmaschinen wie Google und Yahoo! als ein relevantes Kriterium für den Inhalt eines Beitrages bewertet.
Sucht man bei Google und anderen Suchmaschinen nach einem Begriff, haben Internetseiten, die diesen Begriff im Titel beinhalten, eine größere Chance weit oben in den Suchergebnissen präsentiert zu werden und damit als wichtig zu erscheinen. Der Titel nunmehr dürfte gerade bei redaktionellen Texten die klassische Überschrift eines journalistischen Artikels einer Zeitung sein.
Damit nun ein Artikel weit oben in den Suchergebnissen erscheint, sollte er also eine Überschrift mit den möglicherweise wichtigen Suchbegriffen enthalten. Dieser rein technische Aspekt beschränkt also die redaktionelle, journalistische frei wählbare Überschrift eines Artikels. Dies betrifft natürlich auch weitere Punkte des Artikels; so sollen die Suchbegriffe möglichst in den Überschriften und Unterüberschriften, im Text etc. häufiger vorkommen. Synonyme machen das Lesen eines Textes vielleicht leichter, angenehmer und zeugen von einem interessanten Schreibstil, von heutigen Suchmaschinen sind sie aber schlecht zu erkennen. Und damit dürften sie in Artikeln, die weit oben in Suchmaschinen ranken sollen, weniger häufig vorkommen.

Ist eine Zeitung o.ä. also auf Besucher von Suchmaschinen angewiesen, beeinflusst die Suchmaschinenoptimierung also wenigstens den Schreibstil von Artikeln.

Und Besucher von Suchmaschinen sind natürlich gerne gesehen. Denn sie klicken auf Anzeigen, erhöhen die Reichweite für potentielle Werbekunden und sind vielleicht auch an Premiumangeboten interessiert. Sie bringen also Geld und sichern damit die wirtschaftliche Basis der Zeitung. Doch erst die Premiumangebote dürften auch qualitativ höherwertige Artikel und wiederkehrende Besucher bedürfen. Die Qualität der Artikel, des gezeigten Journalismus, dürfte weniger für die Anzeigekunden, die Werbung interessant sein. Und hier liegt das Problem: Die Qualität kann ins Hintertreffen geraten, wenn die wirtschaftlichen Aspekte eine zu große Rolle spielen.
Selbstverständlich ist es kein Automatismus,, denn auch wiederkehrende, von der Qualität des Journalismus überzeugte Besucher können sich für die geschaltete Werbung interessieren. Wenn sie diese nicht einfach übersehen, was unter dem Begriff Bannerblindheit relativ bekannt ist.

Wenn also Jakobs für die Suchmaschinenoptimierung im Journalismus gewisse Konventionen fordert, dann dürfte dies nicht alleine mit fehlenden technischen Kompetenzen seiner Redakteure auf dem Feld der Suchmaschinenoptimierung zusammenhängen. Die wirtschaftlichen Problemlagen von Zeitungen bzw. professionellem Journalismus im Internet kommen hier zum Ausdruck. Und das Spannungsfeld von hochwertigem Journalismus und wirtschaftlichem Erfolg im Internet lässt sich nicht einfach wegdiskutieren und spöttisch abhaken.

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