Windows vs. Linux – ein realistischer Vergleich

Nachdem ich mich vor einiger Zeit enttäuscht von Linux (konkret einer OpenSUSE-Installation) verabschiedet habe, schreibe ich diese Zeilen nun mit einem frischen Kubuntu. Zurück zu den Zeiten von OpenSource und kryptischen Shell-Kommandos à la mit tar xzvf windows-xp-2.10-3.1.network.i386.tar.gz.
Unabhängig von moralisch/ethischen Gesichtspunkten und von Betriebssystem-Ideologien befreit ist hier nun ein möglichst realistischer Vergleich von Linux und Windows.

Closed Source vs. Open Source

Bei Linux liegt der Quellcode offen. Das betrifft den Kern des Betriebssystems (Kernel) als auch den Großteil der Software. Hingegen ist der Quellcode von Microsoft Windows nicht offen einsehbar. Bei den Programmen für Windows gibt es keinen wirklichen Standard, wenn man sich die unzähligen Programme im Internet anschaut. Ein offener Quellcode bedeutet, dass sich jeder die Funktionsweise eines Programmes anschauen kann und sie ggf. auch verändern kann.
Realistisch betrachtet: Kein normaler Anwender schaut sich den Quellcode eines Programmes oder gar seines Betriebssystems an. Will man an einzelnen Komponenten oder Eigenschaften Änderungen vornehmen, werden die meisten Anwender auf Software zurückgreifen, die entweder dafür mitgeliefert oder dafür erhältlich ist.

Hardwareunterstützung: WLan, Drucker, Scanner, TV-Karte u.ä.

Die verschiedenen Geräte benötigen Treiber, um richtig zu funktionieren. Für Windows werden sie bei den neuen Geräten auf CD vom Hersteller mitgeliefert. Für Linux gibt es oftmals keine Treiber direkt vom Hersteller, sie müssen selber von der Linux-Community programmiert werden. Sicherlich eine Heidenarbeit, gerade wenn die Unterstützung der Hardwarehersteller nicht groß ist. Trotzdem ist diese Arbeit meiner Erfahrung nach nicht mit dem gleichen Erfolg gekrönt, wie die originäre Unterstützung durch die Hersteller selber unter Windows. Und ein nicht funktionierendes Gerät ist einfach nicht akzeptabel. Auch wenn dies vornehmlich im Verhalten/der Geschäftsphilosophie der Hersteller begründet liegt.

Bürosoftware: MS Office gegen den Rest der Welt

Jeder, der einmal in einem größeren Betrieb gearbeitet hat, weiß, dass MS Office die Standard-Textverarbeitung ist. Gegen Excel und Powerpoint kommt kaum eine Software an und Word gibt den Standard vor, was eine Textverarbeitung können soll. Zwar muss MS Office noch extra kostenpflichtig erstanden werden, wer aber auf seinem privaten Laptop vor- oder nacharbeiten muss, wird selten darum kommen. Für den reinen Privatanwender reicht allerdings eine kostenlose Version wie KOffice oder OpenOffice.org durchaus aus.

Profi-Software: Adobe Photoshop, Videoschnitt (Pinnacle, Vegas)

Profis haben keine Wahl, wenn Linux oder Windows zur Auswahl stehen. Das kostenfreie OpenSource Grafikprogramm GIMP mag für den Privatanwender ausreichen. Für Profis muss es aber Photoshop sein, das unter Windows (und natürlich Mac) läuft. Im Bereich Videoschnitt sieht es ähnlich aus.
Für den normalen Heimanwender stellt sich natürlich die Frage, ob und wann er ein Video schneidet. Oder ob er überhaupt die vielfältigen Möglichkeiten von Photoshop und anderer Profisoftware ausnutzen kann.

Normale Software für den täglichen Gebrauch

Wer weiß, dass der Internet Explorer ein Browser ist, der kommt auch mit freien Alternativen wie Firefox oder Konqueror zurecht. Und wer es schafft, sein Outlook (Express) einzurichten, kann auch Thunderbird, Evolution oder KMail benutzen. In der Bedienung unterscheiden sich die unterschiedlichen Programme für Linux oder Windows wirklich nur marginal. Sicherlich hat jedes seine Besonderheiten, seine Tücken und Vorteile, das ist aber vom Betriebssystem unabhängig.
Allerdings holt hier Linux bzw. die meisten Linux-Distributionen seinen Vorteil. Ein Paketmanager erleichtert nicht nur das Entfernen von Software —wie es die Windows-Systemsteuerung macht— sondern hilft auch beim Suchen nach neuer Software. Eine Internetverbindung vorausgesetzt, findet man schon mit einem einfachen Stichwort wie mp3 eine Liste von MP3-Spielern für den eigenen Rechner. Der Windows-Benutzer hingegen muss sich durch Suchmaschinen quälen und findet oftmals nur vereinzelt MP3-Player. Schon gar seltenst eine Liste, aus der er auswählen kann und die er immer an gewohnter Stelle wiederfindet.

Aktuell bleiben

Bugs, Fehler und Neuerungen gibt es in allen Betriebssystemen und in eigentlich jedem Programm. Unter Linux können nicht nur die Aktualisierungen des Betriebssystems bequem über den Paketmanager eingespielt werden, wie dies auch die Updatefunktion ähnlich macht, nein auch gewöhnliche Programme können so aktuell gehalten werden.
Für den simplen Anwender ein Quell der Bequemlichkeit, um neueste Features und Fehlerbereinigungen frei Haus geliefert zu bekommen.

Viren & Datenschutz

Dass für Linux eigentlich keinen Virengefahr besteht, sollte sich schon herumgesprochen haben. Die relativ geringe Verbreitung von Linux und der grundsätzlich sicherere Aufbau (die Unterscheidung in User und Administratoren mit unterschiedlichen Rechten als Standard) sorgen dafür. Und wessen Urlaubsfotos einmal von einem Virus dahingerafft wurden, weiß diesen Vorteil zu schätzen.

Immer mal wieder tauchen Schlagzeilen in den Medien auf, dass Windows bestimmte Daten an Microsoft sendet. Wohlgemerkt unsichtbar und meist auch nicht nachvollziehbar für den Benutzer. Die unterschiedlichen Linux-Distributionen nehmen es da meist etwas genauer mit dem Datenschutz und der Erhebung von Daten.

Die Kosten

Eigentlich kostet Microsoft Windows Geld. Genauso wie Microsoft Office. Aber realistisch betrachtet, dürften wohl die wenigsten Privatanwender für eines der beiden jemals direkt bezahlt haben. Windows ist bei den meisten neuen Computern als sogenannte OEM-Version mit dabei und wenn nicht gerade auch ein Office-Paket mitgeliefert wird, dann leiht man sich beim Nachbarn dieses kurz aus. Dass Letzteres illegal ist, dürfte durchaus bekannt sein. Aber interessiert sich wirklich ein Privatanwender dafür? Meiner Meinung nach ist dies in 90% der Fälle nicht so.
Die meisten Linux-Distributionen sind umsonst aus dem Internet herunterzuladen. Also legal und kostenfrei.

Wer das illegale Kopieren von Software nicht mit seinen ethisch/moralischen Grundsätzen vereinbaren kann, sollte also einmal seine Softwarequellen überprüfen.

Ich will spielen!

Tja, Spiele unter Linux sind ebenso ein weites Feld für mich wie unter Windows. Die modernen Ego-Shooter, Jump’n Run und Strategiespiele kenne ich nicht. Es gibt einige für Linux, aber die modernen Spiele dürften ebenfalls in fester Windows-Hand sein. Für das kleine Minesweeper oder Solitaire zwischendurch sorgen auch die meisten Linux-Distributionen. Aber Linux ist dann doch eher zum Arbeiten und Internetsurfen als zum Spielen der neuesten, grafisch aufwendigen Spiele.

Feeling & Bequemlichkeit

Die wenigsten werden wohl Interesse an dauerndem Arbeiten an ihrem und eben nicht mit ihrem Betriebssystem haben. Es soll laufen und zwar fehlerfrei. Das Aktuell-Halten der verwendeten Software ist ein Schritt, der am Einfachsten mit einem guten Paketmanager von Linux funktioniert. Und meiner Erfahrung nach laufen Linux-Systeme auch weniger problematisch als Windows-Betriebssysteme.

Das äußere Erscheinungsbild von Windows lässt sich nur schwer vollständig ändern. Mit KDE und Gnome —den zwei vorherrschenden Linux-Oberflächen— ist dies sehr einfach möglich. Sie warten auch schon zu Beginn mit unscheinbaren und hübschen Desktop-Hintergrundbildern auf, die die typische Windows-Blumenwiese um Längen schlagen.
Und wie der Computer nun aussieht, ist wichtig. Schließlich streicht man ja auch in seinem Büro und seinem Hobbyraum.

Und nun? Linux installieren?

Linux-Distributionen wie Ubuntu (bzw. Kubuntu), OpenSUSE und Fedora bieten bei der Installation an, dass Windows installiert bleibt und gleichzeitig Linux installiert wird. Ein schöner Kompromiss, um Linux zu testen.
Jedenfalls wenn man zu den Glücklichen gehört, die Drucker, WLan, Scanner etc. haben, die von den Linux-Distributionen unterstützt werden. Und wenn man nicht regelmäßig mit MS Office oder anderen kostenpflichtigen Programmen arbeiten muss bzw. bestimmte Spiele spielen will. Für einen sicheren Rechner war und ist Linux eine überlegenswerte Alternative, wenn auch oft noch wenigstens rudimentäre Englischkenntnisse von Vorteil sind.

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Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren. Hier wird über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt geschrieben und Fotos veröffentlicht.

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