SEO? Eine Einführung und ein kräftiger, sinnloser Rundumschlag!

Gibt es eigentlich einen Begriff für die unzähligen SEO-Blogs? Vielleicht etwas Ähnliches wie Splogs für Spam-Blogs? Ich bin in der letzten Zeit des Öfteren auf einigen herumgesurft. Und auch wenn die Betitelung von Blogs als Klowände des Internets sicherlich nicht stimmt — auf viele Blogs der Suchmaschinenoptimierer scheint diese Bezeichnung durchaus zuzutreffen.
Eine überlegende Einführung in die Thematik SEO von einem Unwissenden Outsider. Gespickt mit viel Polemik und ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Korrektheit.

Was ist Suchmaschinenoptimierung? 

Suchmaschinenoptimierung, die englische Bezeichnung Search Engine Optimization bzw. deren Abkürzung SEO ist eigentlich nur Werbung im Internet. Genauer gefasst ist es die, wie auch immer geartete, Optimierung eines Internetangebotes für Suchmaschinen, logischerweise mit dem Ziel Besucher zu eben diesem Internetangebot zu bekommen.

Ebenso wie ein Werbespot im Fernsehen zum Kauf eines Produktes, zur Popularität der Marke anregen soll, soll eine gute Platzierung in den Suchergebnisseiten (SERPs) die Suchenden auf die ge-seote Webseite aufmerksam machen. Und dort sollen sie dann kaufen, auf Werbung klicken oder von der Qualität des angebotenen Produktes überzeugt werden.

Schwarze und weiße Hüte 

Schwarze Schafe gibt es immer wieder. Im Bereich der Suchmaschinenoptimierung wollen diese aber nicht mit Nutztieren verglichen werden, sondern setzen sich einen schwarzen Hut auf. Black hats sind die bösen Jungs, white hats sind die Guten. Böse Jungs bauen auf Linkfarmen komisches Zeugs an und gute Jungs bestellen ihre Äcker nach den Richtlinien von Google.

Google und die Suchmaschinen 

Im letzten Monat kamen über Google mit seinen verschiedenen Suchen und Partnern 97% aller meiner Besucher von Suchmaschinen. Auch wenn meine Seite sicherlich nicht wirklich für eine Erhebung geeignet ist, sieht es auf anderen Seiten nicht wesentlich anders aus. Google ist in Deutschland absoluter Marktführer und Monopolist der Suchanfragen. Andere Suchmaschinen spielen beim Thema Suchmaschinenoptimierung also auch keine große Rolle. Optimierung bedeutet also herauszubekommen, wie und warum Google bestimmte Seite auf Platz 1 der Suchergebnisse anzeigt und warum nicht.

Der Pagerank 

Geheimnisumwittert, mysteriös, mathematisch hochkompliziert und von Google unter strengem Verschluss gehalten. Ständiges Beteuern, die berühmte Skala von 1 bis 10 wäre nicht wichtig, gehört zum normalen SEO-Geschäft. Aber wie der Pagerank nun genau funktioniert, wüssten alle trotzdem gern. (Dass die Anzahl der Links zu einer Webseite wichtig ist, war und ist anscheinend die Grundlage, mit der Google die Suchmaschinenwelt revolutionierte. Dass nun auch der Verweistext nicht ganz unwichtig ist und die Webseite, von der der Link kommt, dürfte eigentlich schon zum Basiswissen jedes Surfers gehören.) Fortwährende Berichterstattung über den eigenen Pagerank ist immer wieder Bestandteil der SEO-Blogger. Und auch gewitzte Versuche mehr darüber in Erfahrung zu bringen:

Ich habe zwei meiner eigenen Domains frisch registriert, dann habe ich von zwei verschiedenen PR 5-Domains [Internetseite mit dem berühmten, aber unwichtigen Pagerank von fünf] jeweils einen Link auf eine der beiden neuen Domains gesetzt. Der Domain mit dem kürzeren Domainnamen wurde drei Stunden und 46 Minuten früher ein Pagerank von 3 zugewiesen als der anderen. Daher folgere ich, kurze Domainnamen sind besser, weil sie schneller aufgenommen werden.

Der eigentliche Sinn hinter diesem Posting ist dann natürlich nicht, wesentliche Teile des Google-Algorithmus zu entschlüsseln. Nein, man macht einfach darauf aufmerksam, dass man a.) genügend Zeit für einen neuen Auftrag hätte und b.) auch über mindestens zwei gewichtige Domain mit PR fünf und zwei mit PR drei verfügt.

Google und die Aktualität 

Findige Tüftler haben herausgefunden: Google mag ältere Domains. Also ältere Domains werden grundsätzlich von Google bevorzugt. Logischerweise wird also gleich alles angemeldet, was nicht bei drei bereits von einem Mitbewerber angemeldet wurde (siehe auch Der Pagerank etwas weiter oben). Was Google ebenfalls mag, ist Aktualität von Webseiten. Denn aktuelle Informationen werden wohl häufiger benötigt. Oder alte Informationen überarbeitet, was die entsprechende Seite also wieder aktuell hält und damit bei Google pushen soll. Die einfachste Möglichkeit dazu ist sicherlich ein Blog, denn das ist qua definitione auf freshness angelegt. Und wenn nun auch bei älteren Beiträgen immer noch die Kommentarfunktion angeschaltet ist, findet sich sicherlich irgendein Zufalls-Surfer, der auch hierzu seinen Senf dazu geben möchte. Und damit ist der ältere Artikel aus Googles Sicht wieder erweitert/aktualisiert worden.

OnPage- und OffPage-Optimierung 

Noch zwei wichtige Begriffe aus dem großen Bereich des Bei-Google-an-die-Spitze-setzens. Eigentlich sind die Begriffe fast selbsterläuternd: OnPage ist auf der Seite selber, Off-Page ist außerhalb der zu bewerbenden Seite.
Auf der Seite werkelt man solange herum, bis die Seite und die wirklich wichtigen Keywords (siehe unten) auch wirklich von jeder noch so dämlichen Suchmaschine entdeckt und für wichtig befunden werden. Viele SEO-optimierten Seiten erkennt man deshalb auch ganz simple an dem massiven Gebrauch von <strong> und <em>. Die damit hervorgehobenen Begriffe werden dann von Suchmaschinen als wichtige Begriffe des ansonsten eher mäßigen Beitrags verstanden (unabhängig davon kann das Hervorheben einzelner Begriffe natürlich auch wirklich sinnvoll für die Besucher einer Seite sein).
Alles, was sich nun nicht direkt auf der Seite abspielt, ist OffPage (die Begriffe erscheinen doch wirklich logisch, oder?).

Links und die guten Nachbarn 

Links sind grundsätzlich böse. Denn wenn auf eine andere Seite, also die Seite eines möglichen Konkurrenten und Mitbewerbers verwiesen wird, wird es das vielleicht zu seinem Vorteil ausnutzen. Außerdem ist ein Link zu einer Seite außerhalb des eigenen Territoriums immer mit gewissen Gefahren verbunden: Wen verlinke ich da eigentlich, bleibt der Link auch dauerhaft gültig oder produziert er irgendwann mal einen 404-Nicht gefunden-Fehler (von Suchmaschinen nicht gerne gesehen)? Außerdem gibt es Gerüchte, dass gesetzte Links auf schlechte (im Sinne der Suchmaschinen) Internetangebote sich auch auf den Linksetzenden zurückwirken können. Diese bad neighbourhood gilt es also zu vermeiden, Links werden zur wertvollen Währung, Experimente (wie neue Webseiten u.ä.) müssen schon ein erfolgsversprechendes Konzept haben, damit ihnen ein Link gewährt wird.

Worte, die entscheiden 

Eine Webseite, die auf alle Fragen eine Antwort hat, gibt es wohl nicht. Und gerade aus Suchmaschinensicht nicht. Aber es gibt gute Seiten für bestimmte Inhalte. Und diese gilt es herauszufinden. Menschlich betreute Webverzeichnisse können durch ihre Redakteure neue Webseiten einordnen. Suchmaschinen haben nur Algorithmen zur Verfügung und diese haben eher geringes Textverständnis. Sie suchen -wie der normale Websurfer später bei der Suchmaschine auch- nach bestimmten keywords. Und diese müssen natürlich auch auf einer ge-seoten Seiten zu finden sein für die Suchmaschinen. Mit keyword-densitiy wird die Dichte des zu optimierenden Begriffes zum restlichen Text bezeichnet. So zwischen drei und vier Prozent soll sie liegen, häufigeres Vorkommen wird von Suchmaschinen anscheinend als Spam interpretiert.

SEO-Blogs – Aufschlag SEO 

Warum haben alle SEOler ein Blog? Es bietet mehrere Vorteile:

  • Ein Blog ist in erster Linie ein CMS (Content-Management-System) und bietet damit eine einfache Möglichkeit, Inhalte im Internet zu veröffentlichen.
  • Beliebte Blog-Software wie WordPress gibt es kostenlos, richtige CMS sind oftmals relativ teuer.
  • Eine große Community erweitert die Möglichkeiten von Blog-Software durch Plugins, Themes, liefert Tipps usw.
  • Eine große Community sucht auch immer selber nach solchen Möglichkeiten und sucht also eventuell auch in SEO-Blogs nach Tipps, Themes und Plugins.
  • Und die große Community ist vielleicht auch eher eine Zielgruppe, denn sie sind schon im Netz, beschäftigen sich mit Internetthemen und können so Aufträge liefern (als mögliche Entscheidungsträger oder Zuträger in Firmen etc.).
  • Kommentare sind bei Blogs durchaus üblich, bei herkömmlichen Internetseiten sind sie eher unüblich. Und ein Kommentar ist immer eine kosten- und zeitfreie Erweiterung/Aktualisierung des eigenen Contents.
  • Durch TRack/Pingbacks ist eine Vernetzung mit anderen (eigenen oder nicht) Blogs sehr einfach vorhanden. Trotzdem bleibt noch genügend Freiheit, um solche Vernetzungen nicht zuzulassen oder wieder zu entfernen.
  • Blogs sind modern und eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung.

SEO-Blogs – und der Aufschlag der armen Surfer 

Usability ist meiner bescheidenen Erfahrung nach auch oftmals ein Fremdwort. Oftmals ist die Schriftgröße ganz simple auf Suchmaschinen optimiert, die Lesbarkeit für menschliche Besucher spielt eine untergeordnete Rolle. Auch die Optimierung für Suchmaschinen ist nicht unbedingt eine Optimierung für menschliche Besucher: Damit die Keywords einer Seite auch wirklich als wichtige Begriffe von Suchmaschinen wahrgenommen werden, werden die Kategorien oder Tags eines Beitrages auch schon mal als Überschrift erster Ordnung <h1> ausgezeichnet. Für sehende Surfer kein Problem, aber ein Sehbehinderter mit Screenreader wird vielleicht Probleme haben.

Viele SEO-Blogs verstehen ihr Geschäft, keine Frage. Für den ahnungslosen Surfer stellt sich aber oftmals einfach die Frage, ob die Inhalte eines SEO-Blogs ihnen wirklich weiterhelfen. Ich fand sie oftmals eher nervig, wenn ich nicht gerade explizit nach SEO-Themen gesucht habe. Nichtssagendes fand ich oft genug auf gut optimierten Blogs, während die wirklich interessanten Blogs und Blogbeiträge nicht auf den guten Plätzen der SERPs (na, wer erinnert sich noch an den Begriff?) zu finden waren.

Alle Optimierer sind also schlecht?! 

Ja klar. Außerdem ist die Welt in die zwei Grundfarben schwarz und weiß unterteilt.

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Hier schreibt exklusiv für Dich

Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).

11 Kommentare

  1. Hmmm, danke für den Hinweis!

    Also ein Verzeichnis wird von SEOlern angelegt, um ihre eigenen Projekte zu pushen. Die Verzeichnisse kommen ohne die ganzen SEO-Themen aus und oftmals darf jeder einen Beitrag schreiben, der dann eine bestimmte Länge haben muss und dann einen Link auf ein zu pushendes Projekt setzen darf.
    Früher waren es die Linkfarmen mit automatisch generierten, mehr oder weniger sinnfreien Texten — heute sind es die Artikelverzeichnisse, die dann mal die ein oder andere Pressemitteilung neu schreiben und dort veröffentlicht werden. Für die Suchmaschine sieht das Verzeichnis dann im Idealfall aus, wie eine ganz normale, andere Webseite, die das zu optimierende Projekt einfach klasse findet.

  2. Ach naja Marc, Du bist doch kein Outsider wenn es um Google und SEO geht ;-)
    Ansonsten weiss ich nicht ob Du die richtigen SEO Blogs gefunden hast, ich kann Dir gern ein Paar empfehlen.

  3. Hallo Marc.
    Schönes Blog und ein simpler Eintrag, den selbst ein DAU versteht.
    Danke für den Link!

    Ist interessant, was du schreibst.

  4. Natürlich sind nicht alle Optimierer schlecht. Aber weil das Thema so komplex ist, dass es kaum ein Kunde durchblicken kann, haben dies schwarzen Schafe leider gute Chancen, Aufträge zu bekommen und ahnungslose Kunden über den Tisch zu ziehen. Und da leidet dann halt das Ansehen der gesamten Branche.
    Man kann es dem Kunden ja vielleicht auch gar nicht verdenken, wenn er die glamorösen Sensationen des auch so netten Experten eher glaubt als die trockenen Geschichten des echten Profis, der von viel Handarbeit und Geduld erzählt.
    Aber die Unterscheidung von Gut und Böse ist auch in vielen Blogs ein Thema (auch in den USA), wie ich festgestellt habe, nachdem ich meinen eigenen Blog-Beitrag darüber geschrieben habe.

  5. Selbstverständlich sind nicht alle SEOler schlecht. Bloß wenn man Werbung nicht mehr als solche erkennen kann, dann läuft da etwas falsch. Und dass ist wohl anscheinend auch das Geschäft, wenn es bspw. um den Linkaufbau (Stichwort Copywriting) geht.
    Aber ich meine auch, dass Social Bookmarking-Dienste die Zukunft sein werden. Fragt sich bloß, wie dort dann SEO/SMO aussehen wird.

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