Gedankensplitter Selbstmord

Einige persönliche Gedanken zu Selbstmord …

Freitod und Selbstmord haben eine moralische Wertung. Selbsttötung beschreibt nur den eigentlichen Vorgang. Suizid ist ein Begriff wissenschaftlicher Kreise.
Schafft solche Fachsprache eine Distanz?
Ist diese sprachliche Distanz ein Schutz?
Wovor schützt sie?
Vor der Möglichkeit der eigenen Entleibung?

Jeder zehnte Suizidversuch endet tödlich. Es sterben etwa 11.000 – 12.000 Menschen jährlich durch Suizid in Deutschland. (Wikipedia: Suizid)

Enttäuscht ein Suizidant seine Mitmenschen durch seinen Suizid, den er begeht, um sie nicht zu enttäuschen? Oder sind die Mitmenschen egal? Wenn sie egal sind, waren sie dann nicht da, als sie benötigt wurden?
Oder waren sie da und wurden nicht wahrgenommen?
Oder waren sie vermeintlich nicht erreichbar?
Mussten sie erreichbar sein? Oder selber auf den Suizidanten zukommen?
Und was, wenn sie es gemacht haben? Aber nicht wahrgenommen / ihre Hilfe nicht angenommen wurde?

Wessen Entscheidung ist eine Selbsttötung?

Muss man eine solche Entscheidung akzeptieren? Darf man sie hinterfragen?
Muss man sie hinterfragen und eingreifen?

Mit welchem Ziel kann es ein Eingreifen geben?

Mit dem Ziel einer Verschiebung der Selbsttötung? Vielleicht zu einer Zeit / einem Ort, an dem man selber es nicht mitbekommt?
Eines Weiterlebens aus religiösen Gründen? Ist der Suizidant dann nicht doppelt schuldig, sein Leben nicht leben zu können und sein Leben auch beenden zu wollen? Nützt eine Schuldzuweisung?

Ein Weiterleben, um Probleme zu lösen? Ist eine Selbsttötung auch eine Problemlösung? Vielleicht sogar eine schnelle und vollständige? Oder ist es nur eine vermeintliche Lösung?
Quasi ein dem Problem Aus-dem-Weg-gehen?

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Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).

4 Kommentare

  1. Dirk

    Hey Marc,
    da hast Du aber ein recht großes Fass aufgemacht, es wird schwer oder gar unmöglich sein, es zur Gänze zu leeren…

    Natürlich muss man die Entscheidung zum Selbstmord akzeptieren, aber, genauso natürlich sollte man dem Menschen den Weg zum Tod nicht bereiten und ihn nicht mit Steinen pflastern und Blumen säumen.

    Das Wesentliche und der Hacken des Selbstmords ist, meines Erachtens, die Endgültigkeit.

    Das ist so trivial wie grundlegend wichtig.

    Es gibt, wie gesagt, einfach Dinge, die man nicht oder nur schlecht zurücknehmen kann. Dazu gehört der Selbstmord genauso, wie die Zeugung eines Kindes. Beides sollte gut durchdacht und die Gründe für das Für und Wider abgewogen sein, bevor man sich zum letzten Schritt entscheidet.

    In Ermangelung an Worten möchte ich es so ausdrücken:
    Es wäre schade, wenn man plötzlich Tod ist und bemerkt, dass die Probleme doch lösbar waren, dass es doch einen Menschen gibt, dessentwegen man leben möchte, oder, das die Schmerzen es doch wert waren, ertragen zu werden, um das Leben zu spüren.
    Es wäre schade, wenn es genügt hätte, dass ein anderer Mensch es dem Toten schwer gemacht hätte zu sterben…

    Ich denke, man sollte ebendies bedenken, wenn man sich die Frage stellt, ob man dem Entschluss sich zu töten, einfach so gewähren lassen sollte oder nicht.

    Ich halte es für absolut unerheblich, ob ein Sterbender seine Mitmenschen unglücklich macht, denn das eigene Unglück als Kosten, um die Fröhlichkeit der Anderen zu erhalten, ist ein schlechter Tausch.

    Und, Ja, natürlich gibt es gute Gründe zu sterben.

  2. Hi Dirk,
    danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Gerade den Gedanken der Endgültigkeit hast Du treffend formuliert. Und auch die Verantwortung der Mitmenschen finde ich spannend. Auch wenn das natürlich jeweils im Einzelfall zu diskutieren wäre …

    cu
    Marc

  3. Homemaster

    Hallo Marc,

    ich bin in der Hoffnung, dass es Dir gut geht?!

    Wenn man sich mit diesen Gedanken soweit auseindersetzt, dann scheint (zumindest manchmal) es zu bestimmten Veränderungen im “Sein” gekommen zu sein. Ist es für Dich nur eine Frage schlechthin oder steckt etwas dahinter, was Dich wirklich beschäftigt?

    Ein Beispiel: Meine kleine Tochter hegte solche Gedanken. Ich habe versucht, dies zu erklären, zu verstehen und geschafft (bis jetzt jedenfalls) es zu verhindern. Der Kampf der Lebendenwollenden ist mindest genauso schwer wie derer, die gehen wollen.

    Dir alles Gute.

    LG Matthias

  4. Hallo Matthias,

    mein Beitrag bzw. meine Gedanken zu dem Thema entstanden aus zwei Selbsttötungen in meinem entfernteren Umfeld. Ich trage / plage mich definitiv nicht diesen Gedanken.

    Danke für die liebe Nachfrage.

    Gruß Marc

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