Außer “fuck” hört man nix …

Verlinkt man auf das letzte Video eines Amokläufer? Auf ein offensichtliches Abschiedsvideo, indem Sebastian B. seine Gründe und Absichten darlegt?

I made the GSS massacre.

In den vergangenen Tagen wurde versucht, die Spuren von ResistantX aus dem Netz zu tilgen. Andere Internetuser wollten dies nicht und veröffentlichten auf den unterschiedlichsten Server Kopien von dem Abschiedsbrief, dem Video und dem teilweise in Zeitungen veröffentlichten Tagebuch. Telepolis gibt einen kleinen Überblick: Netz-Kult um ResistantX

Warum wird oder wurde versucht, Bilder, Videos oder Texte im Internet unzugänglich zu machen für die Öffentlichkeit?
Sollte der Täter nicht zu einem “Idol” werden können? Nach dem Motto: Wenn nichts oder wenig von ihm bekannt ist, dann kann er nicht zu einem “Vorbild” für etwaige Nachahmer werden?!
Jeder, der schon einmal etwas vom Google Cache gehört hat, weiß, dass es fast unmöglich ist, etwas im Internet komplett verschwinden zu lassen. Und gerade die berüchtigten Killerspiele-Spieler dürften ja wohl jede Spur im Netz finden.

Ist es vielleicht einfach nur das Einzige, was die zuständigen Behörden nun machen konnten? Außer dem Besuch der Opfer im Krankenhaus und dem Ermitteln, warum dieser Junge Amok gelaufen sein könnte?

Bei den Ermittlungen der Polizeibehörden, den Recherchen der unzähligen Medien, den Erklärungsversuchen der Nachbarn, Mitschüler und wahrscheinlich auch der Familie dürfte sich alles um das Warum drehen. Eng verknüpft mit der Frage Wer könnte Schuld sein? und der vielleicht unangenehmen Frage Könnte ich vielleicht (Mit-)Schuld sein?
Je nach seinen psychologischen Kenntnissen, dem eigenen Vorwissen und vielleicht auch der persönlichen Beziehung zu dem Amokläufer wird man (sich) vielleicht Antworten geben können.

Aber sind es die richtigen Antworten? Findet man eine plausible Erklärung? Eine psychologische Theorie vielleicht? Da wird sogar in einigen Berichten ein zwei Jahre alter Beitrag im einem Beratungsforum erwähnt, indem der jetzige Amokläufer etwas überaus Bedeutendes geschrieben haben soll. Aber ob die Worte des sechszehnjährigen Sebastian B. schon die Pläne des achtzehnjährigen Amokläufers begründet haben?

Es bleibt das Problem, das selbst der Volksmund kennt: Man kann jemandem nicht in den Kopf schauen.
Zwar ist es im Nachhinein wahrscheinlich leichter einen Amoklauf nachzuvollziehen als einen geplanten Amoklauf vorauszusehen, aber vor dem Kopf desjenigen bleibt man mit den besten Erklärungsversuchen stehen. Man kann versuchen, einige Faktoren zu suchen. Aber schlussendlich hat Sebastian B. recht, wenn er sagt:

It’s my life. Not the fuckin’ life of my parents, of fuckin’ fat Angela Merkel or any fuckin’ teacher in the fuckin’ hole world. It’s my damm life.

Das Video gibt es bei Google Video (noch?) zu sehen.

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Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).