Computerspiele und Amokläufer

Nachdem gestern ein junger Mann in seiner ehemalige Schule Amok lief, mehrere Menschen durch ihn verletzt wurden und er sich selber entleibte, entbrennen wiedermal Diskussionen.

Wie können solche Amokläufe verhindert werden?

Und wer ist Schuld?

Aber das könnte eine unangenehme Fragen werden. Also doch lieber fragen: Was könnte schuld sein?
Und da werden Computerspiele ganz schnell gefunden. Da hat man ja auch in einigen Spielen eine Waffe in der Hand.

Aber mal ehrlich, kann ein Computerspiel wirklich einen solchen Hass und Selbsthass verursachen, dass sich ein junger Mann Waffen besorgt, damit trainiert und dann loszieht, um andere zu töten? Ich wage zu widersprechen.

Ich persönlich finde Ego-Shooter und ähnliche Spiele eher langweilig. Vielleicht weil ich sie niemals gut konnte.
Die Wurzel aller Amokläufe, die Wurzeln der Aggression und des Waffenfanatismus kann ich bei diesen Spielen allerdings nicht verorten. Und andere übrigens auch nicht.

Unter dem Titel Mediennutzung, Schulerfolg, Jugendgewalt und die Krise der Jungen (PDF) führte Christian Pfeiffer eine Studie zu Medienkonsum und Schulleistung durch. Der Süddeutschen Zeitung erklärte er:

Je mehr Zeit Kinder mit Computerspielen verbringen und je brutaler die Inhalte sind, desto schlechter sind die Schulnoten. Dies betrifft vor allem Jungen, weil sie doppelt bis dreimal so viel spielen und brutalere Inhalte bevorzugen.

und das Online-Magazin Telepolis schreibt nachdem sie diese Aussage zitieren:

Die ungeklärte Frage ist, ob die Verbindung zwischen Medienausstattung, Medienkonsum, Gewaltdarstellungen und Schulleistung direkt gekoppelt. Vermutlich dürfte der längere Medienkonsum stärker für das Absinken der Schulleistungen verantwortlich sein als die Gewaltdarstellungen.

Und nun?!? Da gibt es eine Studie, die herausgefunden hat, dass Medienkonsum und Schulnoten miteinander zusammenhängen. Und das für das jeweilige Alter ungeeignete Medien (Computerspiele, Filme) bei schlechteren Schulnoten verstärkt auftreten. Aber wurde mit der Studie ein ursächlicher Zusammenhang bewiesen? Eben nicht.

Und wann und in welcher Studie wurde ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Computerspielen und Amokläufen untersucht?

Bislang habe ich nur gehört, dass der 18jährige ein Ex-Schüler der Realschule in Emsdetten ist. Und dass er in einem Baumarkt gearbeitet hat. Von einem Ausbildungsplatz habe ich nichts gehört. Aber sicherlich bietet ein Aushilfsjob in einem Baumarkt auch eine ausreichende Lebensperspektive für einen 18jährigen. Aber dies wird sicherlich keiner der wichtigen Faktoren gewesen sein …

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Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).

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