Nachteile von Tags in Blogs

small bookshelf (by Chris Ebbert)
Bild: small bookshelf (by Chris Ebbert)

Tagging, also das freie Verschlagworten von Inhalten, hat einige erwähnenswerte Nachteile. Wie kann man mit diesen Nachteilen umgehen, sodass sie Besuchern dieser Webseite hilft, für sie interessante Inhalte zu finden. Oder gibt es noch ein anderes Ziel, dass Tags auf einer Webseite erfüllen sollten?

Welchen Nutzen können Besucher aus Tags ziehen?

Tags sind meistens exakter als Kategorien. So könnte dieser Artikel bspw. in einer Kategorie „Übers Bloggen“ oder noch allgemeiner „Internet“ liegen. Mit Tags ist aber möglich, den Inhalt genauer zu beschreiben.

Tags: , , ,

Zwar sollte ein vernünftiger Artikel schon eine aussagekräftige Überschrift, Zwischenüberschriften, thematisch passende Bilder o.ä. haben, aber warum nicht zusätzlich weitere Anhaltspunkte anbieten. Schließlich ist Zeit dünn gesät und ein Besucher will sich gerade bei längeren Artikeln sicherlich zuerst einen Eindruck verschaffen, ob sich das Lesen lohnt.

Zudem können Tags (Fach-) Begriffe anführen, die sich vielleicht nicht oder nur am Rande im Artikel finden. Ein Artikel zur Verwendung von Google, könnte z.B. als einen Tag „Medienkompetenz“ benutzen. Und so deutlich machen, dass der Artikel ein angewandtes Beispiel ist.

Auch bieten Tags, bei entsprechend aufbereiteten Tagarchiven, einen Einblick in exakt das besprochene Thema. Und nicht in eine weit gefasste Kategorie.

Über eine Tagcloud kann ein Besucher schnell die Themen eines Blogs erkunden. Er erkennt die Schwerpunkte und meistens auch die Vielfalt oder auch Tiefe der Themen.

Vorteile der Tags für Suchmaschinen

Oder besser gesagt für die Suchmaschinenoptimierung. Denn Tags bieten hier eine gute Möglichkeit zur internen Verlinkung. Über Tagseiten sind die einzelnen Artikel verlinkt und können so leicht gefunden werden, wenn ansonsten ältere Artikel eher schlechter für Suchmaschinen zu finden sind.

Vorteile der Tags für die Blogbetreiber

Selbstverständlich gelten die oben genannten Vorteile auch für den Blogger selber. Zusätzlich ergibt sich ein weiterer Vorteil: Die Themenpalette des Blogs kann leicht erweitert werden. Kategorien sind eher unhandlich, wenn sich nach dem Start des Blogs ein anderer Schwerpunkt herausbildet. Tags sind leichter hinzuzufügen, mit jedem neuen Blogpost können neue erfunden werden. Kategorien hingegen können nicht so leicht verändert werden.

Nachteile des Taggings

Diese Seite hat insgesamt 525 Artikel und dabei 589 Tags. Das folgende Bild verdeutlicht wohl ganz gut die Masse an Tags:

Komplette Tagcloud mit allen Tags

Komplette Tagcloud mit allen Tags

Neben der Masse, dem offensichtlichsten Nachteil, sehe ich vor allem diese Punkte als nachteilig:

  • Masse
  • Sonderzeichen (Umlaute, Eigennamen etc.)
  • Schreibweise (Foto, Photo, Fotografie …)
  • Synonyme
  • Homonyme (Kette: Schmuckkette, Fahrradkette)

Warum ist die Masse der Tags ein Problem?

Bei einer Seite mit einer so breiten Themenvielfalt wie dieser Seite, gibt es unzählige Tags, die nur in einem einzigen Beitrag benutzt werden. Knapp 350 von insgesamt knapp 600 Tags werden nur bei einem einzigen Post verwendet. Über die Hälfte der Tags hilft also nicht, eine Verbindung zu einem anderen Post herzustellen.
Das mag vor allem an der Themenvielfalt dieser Seite liegen, lässt sich aber auch auf anderen Seiten, die Tagging verwenden, beobachten.

Sonderzeichen sind ein Problem!

Sonderzeichen sollten im Jahr 2009 für eine Blogsoftware eigentlich kein Problem sein. Anspruch und Realität sind dabei aber nicht synchron, wie ich beim Einspielen eines Backups vor einigen WordPress-Versionen allerdings feststellen musste.
Folgende Richtlinien habe ich mir nun gesetzt:

  1. Keine Umlaute (ä > ae, ß > ss etc.)
  2. Keine Sonderzeichen („Alp Uçkan“ hieße in meinen Tags „Uckan“)
  3. Keine Leerzeichen! („Planet iQ“ wird zu planet-iq)

Welche Schreibweise für Tags?

Alte oder neue Rechtschreibung? Photografie, Fotografie oder Fotos? Taggt man mit „Merkel“ oder „Angela Merkel“? Der Nachname der Bundeskanzlerin ist wahrscheinlich das einzige Merkel, was hier benutzt werden würde. Also reicht der Nachname. Bei der Familie Weizsäcker sieht es natürlich schon anders aus. Und wie taggt man jemanden, der seinen richtigen Name nicht weit im Internet streuen möchte? Unter seinem Pseudonym oder seinem richtigen Namen?
Und wird das „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ zum „BMFSFJ“? Oder doch nur zum „Familienministerium“?

Auch Synonyme sind problematisch!

Ähnlich wie die oben genannten Schwierigkeiten bei der Schreibweise, verhält es sich mit Synonymen. „Zensursula“ oder „Zugangserschwerungsgesetz“? „Internet“ oder „World Wide Web“?

Homonyme!?

Homonyme werden beim freien Verschlagworten immer wieder als schwierig angeführt. In meiner Praxis des Taggings habe ich es noch nicht erlebt, weil ich alleine schreibe und Rückmeldungen zu meinem Tagging doch eher selten sind.
Homonyme sind übrigens gleiche Worte, die eine unterschiedliche Bedeutung haben können. So kann sich eine Kette sowohl silbern um den Hals einer hübschen Frau schmiegen als auch ölverschmiert die Räder und Pedale eines Fahrrads verbinden.

Tags sind schlecht, weil …

Tags sind natürlich nicht grundsätzlich schlecht oder auch nur schlechter benutzbarer als Kategorien. Sie erfordern aber, ebenso wie Kategorien, einige grundlegende Überlegungen vor dem Start.
Kategorien brauchen zum Beginn des Blogs eine grundlegende Konzeption zu den zukünftigen Inhalten. Tags ermöglichen, aber erfordern auch, diese Gedanken bei jedem einzelnen Beitrag. Auch brauchen Tags eine gewisse Disziplin bei ihrer Benutzung. Ansonsten bleibt ein großes Wirrwarr, was nach mehreren hundert Posts nur noch mit immensem Arbeitsaufwand zu beheben ist.

Das einmal gewählte System der Organisation eines Blogs kann kaum im laufenden Betrieb verändert werden. Tags oder Kategorien? Diese Entscheidung sollte bewusst und überlegt getroffen werden. Und deshalb halte ich es für wichtig, auch über die Nachteile von Tags einmal ausführlicher nachgedacht zu haben …

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Hier schreibt exklusiv für Dich

Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).

2 Kommentare

  1. Dr. Theobald Saxer

    Ich denke, dass man gerade beim Tagging mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen muss, denn wie zu lesen: Das gewählte System kann kaum wieder geändert werden.

  2. Richtig. Bevor man ein Blog startet, sollte man sich über die Organisation des Blogs Gedanken machen. Für Tags oder Kategorien sollte man sich wirklich vorher entscheiden.

    Den Link zu deiner „Homepage“ habe ich entfernt. Vielleicht hast du für das nächste Mal eine seriöse Seite in deinem Portfolio?!

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