Pokerspam für kleine Blogbetreiber, aber ein netter Schnitzer …

Girly poker?, ursprünglich hochgeladen von mOOrango*

Auf leicht spammige E-Mails antworte ich eigentlich nicht. Eine recht unseriös aussehende E-Mail mit dem Angebot auf dieser Webseite Werbung zu schalten, flatterte in mein ansonsten spamfreies Postfach:

Der etwas spamverdächtige Beginn

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Erika Mustermann und als freiberufliche Werbeberaterin möchte ich Sie gerne mit einigen unserer Kunden bekanntmachen, die an Werbung auf Ihrer Webseite interessiert sind.

Ich repräsentiere renommierte Unternehmen, die im Rahmen ihrer Online-Marketingkampagne auf der Suche nach geeigneten Weberpartnern sind und ich möchte Ihnen gerne nähere Informationen über deren Angebotsformen zusenden.

Bei Interesse sende ich Ihnen gerne weiteres Informationsmaterial zu.

Mit den besten Grüßen,

Mustermann Erika
Freiberufliche Werbeberaterin
E-Mailadresse bei einem Freemail-Anbieter

Falls Sie keine weiteren Emails mehr von mir erhalten möchten, teilen Sie mir dies bitte mittels einer leere Email mit und ich werde Sie dann unverzüglich aus dem Verteiler entfernen.

Klingt doch spannend, dachte ich mir. Denn wenn ich Werbung mehr oder weniger direkt vermarkten könnte, bleibt weniger bei den Werbe- bzw. Affiliatenetzwerken hängen. Und es kommt vielleicht etwas Geld für die Webhosting-Unkosten bei mir an.

Und was für eine Werbung nun genau?

Auf meine Nachfrage nach weiteren Informationen und Referenzen kam auch eine schnelle Antwort:

Sehr geehrter Herr Pentermann,

Ich vertrete einen der führenden Online Poker und Casino Anbieter im Netz, welcher an der Londoner Aktienbörse notiert ist, und wäre daran interessiert einen Artikel über meinen Klienten auf Ihrer Homepage zu veröffentlichen.

Die Rezension kann hierbei von Ihnen selbst oder von uns verfasst werden und muss 2 Links zu den Webseiten meines Klienten beinhalten.

Für die Veröffentlichung kann ich Ihnen 15 Euro, für das Schreiben des Artikels zusätzliche 20 Euro anbieten.

Poker? An der Londoner Börse notiert? Na wenigstens gibt es jetzt eine persönliche Anrede des möglichen Werbepartners.

Aber ein ausländischer Pokeranbieter klingt doch recht obskur. Pokern im Internet und Pokerturniere im richtigen Leben waren meiner Erinnerung nach nicht gerade rechtlich einwandfrei. Ein alter Artikel bei tagesschau.de titelte im September 2006: Internet-Poker: Deutsche spielen illegal.

Und ich hatte zugegebenermaßen unter Werbung auch eher ein klassisches Werbebanner erwartet. Ein gekaufter Artikel auf dieser Seite sollte es also sein. Ob man diesen Beitrag dann wohl als Werbung auch deklariert sehen wollte?!

Wer macht denn sowas?

Aber ich wollte doch noch einmal nachhaken und fragte nach, um welchen Anbieter es sich handelt. Und bekam auch wieder prompt eine Antwort:

Unser Klient ist derzeit www.supertollepokerwebseite.com, einer der führenden Online Poker Anbieter im Netz. www.supertollepokerwebseite.com ist an der Londoner Aktienbörse notiert, und mehr als 20 Millionen Spieler haben sich seit der Einführung 1997 registriert.

Pokern? Huch, ist das nicht illegal?

Vielleicht hätte ich doch erstmal noch etwas über die Preise verhandeln sollen. Aber ich dachte mir, dass ich erstmal die Rechtslage kläre und fragte nach:

wie ich sehe, kann man auf der Seite um Geld spielen. Ist das in Deutschland nicht illegal? Oder ist das egal, weil es eine .com-Seite ist?

Funkstille seit heute Mittag! Das Interesse an Werbung bei mir schien nun doch irgendwie gesunken zu sein. Die bisherigen Antwortmails kamen nach zehn bis zwanzig Minuten, da hat eine nette Pokerwerberin wohl aufgegeben.
War meine Nachfrage so unberechtigt? Oder wurden meine Beiträge zur Suchmaschinenoptimierung doch gefunden?

35 Euro für einen Artikel über eine Pokerseite?

Natürlich wäre ein solcher Artikel über eine Pokerwebseite keine 15,- geschweige denn 35,- Euro wert, wenn damit nur mein kleiner Leserstamm erreicht werden würde.

Es geht um die Links, zwei an der Zahl, zu der Pokerwebseite. Für Google und andere Suchmaschinen sind Links zu einer Webseite immer noch das Wichtigste Kriterium zur Bewertung der Webseite.
Und ein Artikel über eine Pokerwebseite mit Links zu der Pokerseite ist für die Suchmaschinen eine Empfehlung für eben diese Pokerseite.

Auch ein totaler Verriss der Pokerseite würde die Suchmaschinen davon nicht abbringen. Denn auch wenn die beste Suchmaschine kann immer noch nicht den Inhalt eines Textes verstehen. Obwohl sie sich natürlich bemühen (Stichwort Latent semantische Indizierung).

Und 15 Euro für zwei Links sind es nicht wert?

Werbung und eigentlichen Inhalt (nämlich die Artikel) zu vermischen, halte ich schon für sehr, sehr fragwürdig. Selbst wenn die entsprechenden Artikel als Werbung gekennzeichnet wären.

Anfang diesen Jahres habe ich für werblich gekennzeichnete Links noch einen monatlichen Beitrag von über 4 Euro bekommen. Diese Werbelinks waren durch ihre Positionierung (und Kennzeichnung) auf jeder einzelnen Seite als Werbung auch für Suchmaschinen relativ leicht zu erkennen.

Automatisch kaum bis nicht erkennbare Links dürften ein Mehrfaches wert sein.

Und die Moral vom Bluff …

Traue keiner noch so schlechten Rezension, wenn sie trotzdem Links enthält.

Man kann Links mit verschiedenen Techniken versuchen zu verschleiern, sodass sie von Suchmaschinen nicht beachtet bzw. bewertet werden. Aber grundsätzlich ist jeder Link eine Empfehlung. Jedenfalls für Suchmaschinen.

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Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).

1 Kommentar

  1. Sabine

    Ich hätte das Geld genommen und nach 2 Wochen wieder gelöscht :-)

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