Böse aber kreativ – Warum Internetseiten nicht pauschal zuverlässig sind!

Was im Internet steht, ist richtig!

Mit dieser Einstellungen suchen und finden viele Leute im Internet. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Das Internet und die Suchmaschinen lassen sich manipulieren und geschickt für eigene Geschäftsinteressen einsetzen. Das ist die Aufgabe von Suchmaschinenoptimierern (SEOs). Sie sollen dafür sorgen, dass die Internetseite möglichst prominent gefunden wird. In bestimmten lukrativen Geschäftsbereichen ist dies wohl fast nur noch mit halblegalen oder gar illegalen Methoden möglich. Eine dieser Methoden soll hier einmal vorgestellt werden. Auf dass es helfe, die Vertrauenswürdigkeit von Internetseiten besser einschätzen zu können.

Die Tippsammlung selber

Pentermann Auf einer us-amerikanischen Seite von Suchmaschinenoptimierern wurden mehrere erfolgreiche SEOs nach ihren Tricks befragt, wie sie Links bekommen. Links sind momentan für Suchmaschinen eines grundlegenden Bewertungskriterien: Eine Seite, die viele Links hat, muss erstmal gut sein und wird bei Google etc. entsprechend weit oben in den Suchergebnissen angezeigt. Das ist zwar eine stark verkürzte Erklärung, beschreibt aber das Grundprinzip aktueller Suchmaschinen.

Nun wurden bei dieser Umfrage viele interessante Tipps und Tricks veröffentlicht, die nicht alle illegal oder unseriös sind. Das im folgenden beschriebene Projekt besticht sowohl durch seine Raffiniertheit und auch Skrupellosigkeit. Die Erfüllung des Auftrags und damit die Gewinnabsichten des Auftraggebers standen eindeutig vor ethischen Überlegungen und Gesetzen.
Da diese Tipp-Sammlung in der Suchmaschinen-Szene durchaus bekannt zu sein scheint, verrate ich hier nun keine Geheimtipps. Und den schwarzen Schafen dürfte diese Methode durchaus bekannt sein.

Das Projekt

Das Projekt selber war (bzw. ist) eine Plattform für pornographische Inhalte aus dem asiatischen Raum. Der größte Teil der „Angebote“ war zu einer bestimmten Sexualpraktik, deren Namen relativ unbekannt im englisch- (und auch deutsch-) sprachigen Raum ist. Nach der Optimierung der Seite selber (sog. on-page-Optimierung) war es notwendig die Seite mit Links zu versorgen, damit sie besser über Suchmaschinen gefunden wird und so Kunden kommen. Doch dies bedeutet einige grundlegende Probleme.

  • Seriöse Links sind kaum zu bekommen.
  • Auf kommerzielle Angebote wird ungern verwiesen.
  • Linkkauf funktioniert oft nur bei Mitbewerbern, die
    • wohl ungern auf Konkurrenten verweisen,
    • wahrscheinlich hohe Preise nehmen,
    • selber wenig vertrauenswürdig (für Suchmaschinen) sind,
    • es auch nur in relativ geringer Zahl gibt.
  • Überhaupt verweist niemand gerne auf pornographische Angebote

Nachdem nun bei anderen Anbietern einige Links gekauft wurden, galt es neue Wege für möglichst seriöse Links zu bekommen. Und diese Links sollten im besten Fall auch das passende Suchwort (Keyword) enthalten, also die beworbene Sexualpraktik. Dass diese Bezeichnung zwar im Land selber, aber nicht im englischen Bereich bekannt war, war der entscheidende Vorteil, der ausgenutzt wurde.

Der Professor

Was könnte seriöser sein als ein Wissenschaftler einer renommierten Universität?

Wohl relativ wenig … Der unbekannte Name des beworbenen Suchwortes war dann der wichtige Vorteil. Denn nun entstand relativ schnell ein neuer Universitätsprofessor: Hans <Suchwort>. Dieser erfundene Professor bekam eine eigene Internetseite, die das Layout einer angesehenen Universität kopierte, und natürlich ein seriöses Foto. Einige kopierte und gefälschte Studien und ein Stipendiatenprogramm (nach dem Urheber Hans <Suchwort> benannt) machten die Webseite komplett.

Strafbar dürfte hier wohl einiges gewesen sein, aber man hatte nun eine seriöse Seite mit einigen Inhalten, auf die andere ohne Probleme Links setzen konnten.

Seriöse Linkquellen

Das finden von seriösen und renommierten Linkpartnern für diese Webseite war nun nicht sehr schwer. Bei Wikipedia konnte man einige Verweise auf die getürkten Studien unterbringen, mit anderen Wohltätigkeitsfonds konnten nun gute Links ausgetauscht werden und auch bei einigen Zeitschriften gelang es anscheinend Links unterzubringen. Schließlich hatte man nun nicht nur eine unkommerzielle Seite, sondern sogar eine scheinbar wohltätige Internetseite mit scheinbar wissenschaftlichen Inhalten.
Dass in einer der gefälschten Studien die Wirkung eines Medikamentes "bewiesen" wurde, brachte sogar den Hersteller, ein großes Pharmazieunternehmen, dazu auf diese Internetseite zu verlinken.

Suchmaschinen umleiten, Besucher täuschen

Nun hatte man eine seröse und gut verlinkte Seite zu dem zu bewerbenden Suchwort. Nun musste diese für Suchmaschinen produzierte Seriosität an die eigentliche Seite mit den pornographischen Inhalte umgelenkt werden. Gleichzeitig sollte dieses Täuschungsmanöver aber noch aufrechterhalten werden, damit das Projekt einen längeren Zeitraum anhält.
Denn wenn die komplette Webseite auf das neue Angebot umgeleitet worden wäre, hätten dies wohl die menschlichen Besucher schnell gemerkt und der Schwindel wäre schneller aufgeflogen. Und die menschlichen Besucher, die eine wissenschaftliche Studie suchen, wären auch (jedenfalls im konkreten Moment) schlechte Kunden für das pornographische Angebot.

Vielmehr musste die "Kraft" dieser Seite für Suchmaschinen weitergegeben werden an das kommerzielle Angebot, damit später Suchende in der Suchmaschine dieses Angebot möglichst weit oben in den Suchergebnissen finden. Denn diese suchen ja nach dem <Suchwort> und wissen, dass dies eben kein Professor sondern eine Sexualpraktik ist.
So wurden also die großen Suchmaschinen umgeleitet auf das neue Angebot und die menschlichen Besucher sehen weiterhin die gefälschten Seiten des Herrn Prof. Dr. Hans <Suchwort>.

Diese Umleitungstechnik möchte ich hier nicht ausführlich beschreiben, für die technisch Interessierten ein paar Stichworte: Auf Basis täglich aktualisierter IP-Adressen wurden die Google- und Yahoo!-Bots per 301 umgeleitet und dies durch noindex-Tags auf der Seite etc. unkenntlich gemacht.

Statt einem Fazit …

Eine Internetseite kann von jedem aufgemacht werden. Vorsicht ist also angeboten, gerade bei Informationen aus dem Internet, die man "offline" nicht nachprüfen kann oder überhaupt nachprüft. So dürfte zum Beispiel jeder Professor wenigstens einen Eintrag auf der offiziellen Universitäts-Internetseite haben.

Ach ja, erwähnte ich schon, dass unser Professor Hans <Suchwort> als Dermatologe spezialisiert auf Intimregionen lehrte und die Hautverträglichkeit diverser Körperflüssigkeiten erforschte? Etwas gesunder Menschenverstand kann auch im Internet nicht schaden.

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Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).

4 Kommentare

  1. Diana Sellmayer

    Kann man das denn iwie prüfen, ob das ein richtiger Prof ist?

  2. Sehr interessant Marc. Ich bin der Auffassung, dass Blogs (so wie Deiner oder auch meiner), wesentlich zuverlässiger sind, als manch professionell aufgebaute Seite. Natürlich sind diese auch nicht nachprüfbar. Und – bei Suchmaschinen gehe ich oft auf die letzte Seite – dann kann man davon ausgehen, keinem Sponsor aufzusitzen ;-)

    Schönes WE und Grüße!

  3. Am einfachsten scheint es mir zu sein, auch eine zweite Suchmaschine und einfach eine zweite Quelle für eine Information zu suchen. Damit dürfte man einen Großteil von unseriösen Informationen hinter sich lassen.

    Persönliche Blogs sind oft eher geprägt von der persönlichen Erfahrung des oder der Autoren. Manchmal gibt es dort auch zu subjektive Einschätzungen. Das kann aber natürlich eine sehr gute Bereicherung sein.
    Ich muss zugeben, mir die letzten Seiten von Suchmaschinen nicht unbedingt anzuschauen, für so schlecht halte ich sie dann auch nicht. Aber es stimmt: Abseits der Top Ten Plätze finden sich oft unkommerziellere Seiten.

    beste Grüße
    Marc

  4. Maria Schuster

    Das ist ja schon krass, Internetinfos sind einfach unzuverlässig!

Kommentare sind geschlossen.