Lokalpolitik im Internet: Wie muss sich ein Ortsverband präsentieren?

Die Bundespolitik ist längst im Internet angekommen. Jede Landtagsfraktion, Bundestagsfraktion, jede Fraktion des Europaparlaments, jede Partei, jeder Landesverband einer Partei und auch immer mehr Ortsverbände nutzen die Möglichkeit sich im Internet zu präsentieren. Die Spitzenkandidaten haben eigene Seiten, die vor bestehenden Wahlen optisch aufgefrischt werden, die Kanzlerin hat einen Podcast und und und ….

Auch die Ortsverbände der meisten Parteien bemühen sich um einen eigenen Internetauftritt. Doch die Qualität dieser lässt viele Wünsche offen. Wie sollen sich Ortsverbände oder Lokalpolitiker nun im Internet präsentieren? Teil 1 einer kleinen Serie …

Welche Zielstellung hat ein Internetauftritt eines Ortsverbandes?

Über die unterschiedlichen Schwerpunkte kann man sicherlich diskutieren. Aber diese Ziele hat wohl grundsätzlich jede Partei und auch jede politische Ortsgliederung:

  • Darstellung der eigenen politischen Positionen
  • Darstellung der konkreten politischen Arbeit
  • Politisch Interessierte zur Wahl der eigenen Partei animieren
  • Politisch Interessierte zur Mitarbeit/Mitgliedschaft bewegen
  • Die eigenen Mitglieder informieren und ihnen politische Unterstützung geben
  • Die Parteimitglieder zur politischen Diskussion befähigen und anregen

Eine Unterteilung in einen Mitgliederbereich und einen öffentlichen Bereich ist also sinnvoll. Denn bestimmte Informationen sind erstmal nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Und einiges davon sicherlich auch nicht unbedingt interessant.

Welche Erwartungen haben die Besucher/innen?

Inhalte der Aktivitäten eines politischen Ortsverbandes

Wenn wir von Nicht-Parteimitgliedern als Besuchern ausgehen, dann dürfte die Suche nach Informationen das vorrangige Ziel sein. Auf der Internetpräsenz eines Ortsverbandes werden aber die wenigsten (Be-)Sucher Meldungen aus dem Bundesverband erwarten. Höchstens Stellungnahmen dazu vom jeweiligen Ortsverband.
Anträge an die Kommunalparlamente, Termin und Themen der nächsten Ratssitzung, ein Bericht über die Besichtigung des größten Arbeitgebers durch die Seniorengruppe interessieren mich ebenso wie Statements zu aktuellen Geschehnissen in der Region. Sie verdeutlichen die Aktivität auf örtlicher Ebene der Partei und machen die politische Arbeit greifbar und lebendig. Als aktuellsten Beitrag aber die Terminankündigung des Ostereiersuchens zu finden, dürfte nicht nur mich abschrecken.

Technische Erwartungen an Internetauftritte

Vorrangig sollten die Internetseiten einfach funktionieren. Das bedeutet keine toten Links, die ins Nichts führen, ebenfalls keine Ladezeiten, in denen man sich einen Kaffee kochen kann, und auch Rechtschreibfehler gehören zur Basis.
Ein einigermaßen seriöses Design ist auch nicht zu viel erwartet. Mit Bildern, Flash-Videos und Hintergrundmusik überfrachtete Seiten gehören auf MySpace, als offizielles Portal zu den Aktivitäten eines politischen Ortsverbandes sind sie grundsätzlich untauglich.

Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, sich für eine Rolli-Rampe am Rathaus einzusetzen. Auch im Internet ist es ein Muss. Eine kontrastreiche Schriftfarbe/Hintergrund-Kombination ist der Anfang, über die Möglichkeit der individuellen Vergrößerung der Schrift geht es zum Olymp der Accesskeys.

Und den an einem Austausch interessierten Besuchern muss auch etwas geboten werden. Ein Kontaktformular gehört zum guten Ton, ein Forum wird aber vielleicht schnell verlassen wirken. Aber vielleicht hat der Besucher ja die Möglichkeit einzelne Beiträge zu kommentieren?

Fazit

Eine kontinuierliche redaktionelle Betreuung der Webseite ist die Voraussetzung. Das Einstellen von (politischen) Neuigkeiten und die Betreuung der bisherigen Inhalte muss gewährleistet werden. Die technische Komponente bedarf bei einer guten Planung und Erstumsetzung weniger stark einer fortwährenden Pflege. Nur die Behebung technischer Unzulänglichkeiten sollte schnell erfolgen.

Im nächsten Teil dieser kleinen Serie wird es um das Thema "Gefunden werden!" gehen: Auf welchen Wegen kommen denn wohl Besucher auf die Seiten einer Partei-Ortsgruppe?. Danach sind einige kleine Reviews zu Bramscher Ortsverbänden der hier vertretenen Parteien geplant.

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Marc Pentermann bloggt seit über zehn Jahren, hauptsächlich über technische, netzpolitische und sozialpolitische Themen mit dem Schwerpunkt Arbeit & Arbeitsmarkt. Immer sonntags gibt es einen Sammelbeitrag von lesenswerten Artikeln. Er arbeitet als Berufs- und Sozialpädagoge in der beruflichen Rehabilitation. Seit 2010 lebt er in Österreich (mehr).